Eine aktuelle Untersuchung von Blue Yonder zeigt, dass Nachhaltigkeit in Lieferketten weiter an Bedeutung hat, auch wenn wirtschaftliche Faktoren wie Inflation derzeit stärker gewichtet werden. Unternehmen setzen verstärkt auf Daten, Organisation und operative Effizienz.
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Saskia van Gendt, Chief Sustainability Officer bei Blue Yonder.
Lieferketten stehen zunehmend im Fokus von Nachhaltigkeitsdebatten, da sie einen erheblichen Anteil an globalen CO₂-Emissionen verursachen. Gleichzeitig sehen sich Unternehmen mit wirtschaftlichen Unsicherheiten konfrontiert, die strategische Prioritäten verschieben. Eine neue internationale Umfrage unter Führungskräften großer Unternehmen zeigt, wie sich diese Spannungsfelder konkret auf Entscheidungen, Organisation und Technologieeinsatz auswirken.
Die Ergebnisse der Studie basieren auf einer Befragung von 678 Supply-Chain-Verantwortlichen aus Europa und Nordamerika. Zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) arbeiten aktiv daran, die Umweltauswirkungen ihrer Lieferketten zu reduzieren. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine Verschiebung in der strategischen Gewichtung: Nur noch 12 Prozent nennen Nachhaltigkeit unter ihren drei wichtigsten Prioritäten – im Vorjahr waren es noch 24 Prozent.
Als zentrale Gründe gelten wirtschaftliche Rahmenbedingungen. 68 Prozent der Führungskräfte sehen Arbeitsmarktentwicklung und Inflation als größte Herausforderungen. Dennoch bleibt Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) ist der Ansicht, dass Lieferkettenbetreiber Verantwortung für globale Probleme wie Klimawandel und wirtschaftliche Instabilität tragen.
Auffällig ist auch die organisatorische Entwicklung: 47 Prozent der Unternehmen haben eigene Nachhaltigkeitsteams etabliert. Diese Teams koordinieren funktionsübergreifende Maßnahmen und spiegeln wider, dass Nachhaltigkeit zunehmend als Querschnittsthema verstanden wird.
Statt isolierter Nachhaltigkeitsinitiativen setzen viele Unternehmen auf Verbesserungen bestehender Prozesse. Datenmanagement und Transparenz gelten als zentrale Hebel: 26 Prozent der Befragten sehen insbesondere Datenverfügbarkeit und Rückverfolgbarkeit als wichtigste Voraussetzung für Fortschritte.
Auch Prognosetechnologien gewinnen an Bedeutung. Ein Drittel (33 Prozent) betrachtet sie als Chance, Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen. Der Fokus liegt dabei auf effizienteren Abläufen, weniger Ressourcenverbrauch und optimierter Planung.
Diese Entwicklung deutet auf einen Paradigmenwechsel hin: Nachhaltigkeit wird nicht mehr als separates Ziel verfolgt, sondern als Ergebnis effizienter Betriebsprozesse. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Unsicherheit bleibt – nur rund 20 Prozent der Befragten sind zuversichtlich, ihre Nachhaltigkeitsziele tatsächlich zu erreichen.
Ein Viertel der Führungskräfte hält die bestehenden Ziele zudem für nicht ambitioniert genug, während ebenso viele davon ausgehen, dass nachhaltige Transformation grundlegende Änderungen bestehender Prozesse erfordert.
Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz zeigt sich ein klares Bild: Unternehmen verbinden KI primär mit operativen Vorteilen. Die wichtigsten genannten Effekte sind bessere Planung (29 Prozent), verbessertes Risikomanagement (26 Prozent) und schnellere Entscheidungsfindung (23 Prozent).
Nachhaltigkeitsaspekte spielen hingegen eine untergeordnete Rolle. Nur 11 Prozent sehen direkte ökologische Vorteile durch KI, und lediglich 13 Prozent nennen verbesserte Rückverfolgbarkeit als wesentlichen Nutzen.
Dabei besteht ein indirekter Zusammenhang: Effizienzsteigerungen durch KI können Abfall reduzieren und Ressourcen besser nutzen. Diese Effekte werden laut Studie bislang jedoch nicht systematisch als Nachhaltigkeitsbeitrag wahrgenommen.
Saskia van Gendt, Chief Sustainability Officer bei Blue Yonder, ordnet diese Entwicklung wie folgt ein:
„Nachhaltigkeit bleibt eine Priorität, selbst in einem Jahr, das von unmittelbaren Geschäftsrisiken wie Zöllen, Störungen und Inflation geprägt ist. Im Moment konzentrieren sich die Bemühungen vor allem darauf, Effizienz und Produktivität zu verbessern und schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen, was zu weniger Abfall, nachhaltigeren Abläufen und Kosteneinsparungen führen kann. Nachhaltigkeit ist kein eigenständiges Ziel mehr, sondern ein strategisches Element ausgereifter, moderner Geschäftspläne.“
Technologische Lösungen zielen daher zunehmend darauf ab, Nachhaltigkeitskennzahlen direkt in operative Entscheidungsprozesse zu integrieren – etwa in Planung, Logistik oder Beschaffung. Ziel ist es, wirtschaftliche und ökologische Ziele parallel zu steuern.