Eine aktuelle Studie zeigt: Österreichische Unternehmen treiben den Einsatz von künstlicher Intelligenz voran, obwohl Sicherheits- und Compliance-Fragen vielfach ungelöst bleiben. Entscheidungsdruck, unklare Governance und mangelnde Transparenz prägen die aktuelle Entwicklung.
Eine aktuelle Untersuchung von TrendAI, einem Geschäftsbereich von Trend Micro, zeichnet ein klares Bild der aktuellen KI-Nutzung in Unternehmen: Der Wille zur Implementierung überholt häufig die Fähigkeit zur Absicherung. Die Ergebnisse basieren auf einer globalen Befragung von 3.700 Business- und IT-Entscheidern, darunter 100 aus Österreich, und zeigen strukturelle Spannungsfelder zwischen Innovationsdruck und Sicherheitsanforderungen.
Foto: Trend Micro
In Österreich geben 72 Prozent der befragten Entscheider an, bereits unter Druck gestanden zu sein, KI-Projekte trotz bestehender Sicherheitsbedenken zu genehmigen. Weltweit liegt dieser Wert bei 67 Prozent. Besonders bemerkenswert: Jeder zehnte österreichische Befragte stuft seine Bedenken als „extrem“ ein – wurde jedoch dennoch übergangen.
Als zentrale Treiber dieses Entscheidungsdrucks nennt die Studie sowohl externe Wettbewerbsfaktoren als auch interne Anforderungen. Gleichzeitig fehlen vielfach klare Verantwortlichkeiten für KI-Risiken. Cybersecurity-Verantwortliche geraten dadurch in eine reaktive Rolle und müssen Entscheidungen umsetzen, die bereits auf Managementebene getroffen wurden.
Diese Dynamik begünstigt auch die Nutzung sogenannter „Schatten-KI“-Tools – Anwendungen, die ohne offizielle Freigabe im Unternehmen eingesetzt werden.
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Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen technologischer Einführung und Risikomanagement. Die Hälfte der österreichischen Befragten gibt an, dass sich KI schneller entwickelt, als sie abgesichert werden kann. Weltweit liegt dieser Wert bei 57 Prozent.
Parallel dazu äußern 66 Prozent der österreichischen Entscheider nur geringes bis mittleres Vertrauen in ihr Wissen über rechtliche Rahmenbedingungen. Auch die Governance-Strukturen sind vielfach noch unzureichend entwickelt: Nur 32 Prozent der Unternehmen verfügen über umfassende KI-Richtlinien, während sich zwei Drittel noch in der Ausarbeitung befinden.
Ein Viertel der Befragten nennt zudem unklare regulatorische Anforderungen als Hindernis. In der Praxis führt dies dazu, dass KI-Systeme bereits produktiv eingesetzt werden, bevor verbindliche Regeln für ihren Einsatz festgelegt sind.
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Richard Werner, Security Advisor bei TrendAI
Richard Werner, Security Advisor bei TrendAI, ordnet diese Entwicklung ein:
„Unternehmen fehlt es nicht am Bewusstsein für Risiken, sondern an den Voraussetzungen, um diese wirksam zu managen. Wenn die Einführung von KI eher durch Wettbewerbsdruck als durch reife Governance-Strukturen getrieben wird, entsteht eine Situation, in der KI in kritische Systeme integriert wird, ohne dass die notwendigen Kontrollen vorhanden sind. Wir müssen Unternehmen deshalb dabei unterstützen, mit KI solide Ergebnisse zu erzielen und gleichzeitig ihre Geschäftsrisiken im Griff zu behalten.“
Während KI bereits breit eingesetzt wird, bleibt das Vertrauen in autonome Systeme begrenzt. Nur 34 Prozent der österreichischen Entscheider erwarten, dass agentische KI die Cyberabwehr kurzfristig deutlich verbessert. Weltweit liegt dieser Wert bei 44 Prozent.
Die Bedenken konzentrieren sich vor allem auf konkrete Risiken:
Diese Einschätzungen verdeutlichen, dass technologische Fortschritte nicht automatisch zu höherem Vertrauen führen.
Neben Sicherheitsbedenken wird insbesondere die mangelnde Transparenz als Problem genannt. 28 Prozent der österreichischen Unternehmen geben an, dass ihnen die notwendige Auditierbarkeit von KI-Systemen fehlt. Damit stellt sich die Frage, wie Kontrolle und Eingriffsmöglichkeiten gewährleistet werden können.
Auch bei möglichen Sicherheitsmechanismen zeigt sich Uneinigkeit: 27 Prozent sprechen sich für sogenannte „Kill-Switch“-Funktionen aus, während 46 Prozent hierzu keine klare Position haben.
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Rachel Jin, Chief Platform and Business Officer und Head of TrendAI
Rachel Jin, Chief Platform and Business Officer und Head of TrendAI, beschreibt die Situation wie folgt:
„Agentic AI bringt Unternehmen eine neue Kategorie von Risiken.
Unsere Studie zeigt, dass die zentralen Bedenken bereits klar sind – von der Offenlegung sensibler Daten bis hin zum Verlust von Kontrolle. Ohne Transparenz und Kontrollmechanismen setzen Unternehmen Systeme ein, die sie nicht vollständig verstehen oder steuern können. Dieses Risiko wird weiter zunehmen, wenn sie keine Gegenmaßnahmen ergreifen.“
Die Studienergebnisse deuten damit auf ein grundlegendes Spannungsfeld hin: Unternehmen bewegen sich zunehmend in Richtung autonomer KI, ohne sich über zentrale Fragen der Kontrolle, Governance und Sicherheit einig zu sein.