Mit der neuen „Initiative Digitale Souveränität“ bündeln sieben österreichische Unternehmen ihre Kräfte, um die technologische Handlungsfähigkeit Europas zu stärken. Im Mittelpunkt stehen europäische Technologien, Innovationen, Resilienz sowie der Schutz kritischer Infrastruktur. Die Initiative versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Aufruf zur Abschottung, sondern als Impuls für mehr Wahlfreiheit und strategische Unabhängigkeit.
Foto: A1 Telekom Austria/APA-Fotoservice/Martin Hörmandinger
Digitale Souveränität soll nach Ansicht der Initiatoren zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Österreich und Europa werden. Mit A1 Telekom, Anexia, Erste Bank, KEBA Group, SPAR ICS, Umdasch Group und Vienna Insurance Group haben sich Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zusammengeschlossen, um gemeinsame Initiativen und Pilotprojekte voranzutreiben und den europäischen Digitalstandort zu stärken.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Schutz kritischer Infrastruktur. Ziel ist es, technologische Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern strategisch zu reduzieren, ohne auf internationale Zusammenarbeit oder globale Vernetzung zu verzichten.
Die Initiative formuliert fünf zentrale Handlungsfelder. Dazu zählen die Entwicklung neuer digitaler Produkte und Dienstleistungen in Europa, die Stärkung von Sicherheit und Vertrauen durch europäische Datenkontrolle sowie mehr Resilienz gegenüber geopolitischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten.
Darüber hinaus soll die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Technologien erhöht und europäische Werte wie Datenschutz, Transparenz und Menschenrechte stärker in internationalen Technologiestandards verankert werden.
Thomas Arnoldner, Deputy CEO der A1 Group, sieht insbesondere bei Cloud-Infrastrukturen Handlungsbedarf:
„Europa braucht auch digital mehr Handlungsfähigkeit. Bei Energie und Verteidigung haben wir erkannt, dass strategische Abhängigkeiten ein Risiko sind — im Digitalen gilt das genauso. Heute sind wir bei Betriebssystemen, Cloud und KI stark von wenigen außereuropäischen Anbietern abhängig.
Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit und europäische Alternativen — besonders bei kritischen Daten.
Mit unseren souveränen Cloud-Lösungen, bei denen Daten Europa nicht verlassen, leisten wir dazu bereits heute einen konkreten Beitrag.“
Alexander Windbichler, CEO der Anexia Group, verweist auf die Bedeutung europäischer Technologien und offener Märkte:
„Digitale Souveränität durch Software-Hoheit und technische Entscheidungen.
Für uns in Europa sind daher europäische Lösungen von strategischer Bedeutung – nicht nur für unsere europäische Unabhängigkeit, sondern auch damit wir die Anbietervielfalt hochhalten – entsprechend den Sicherheitsstandards, die für uns in Europa und auch in Österreich maßgebend sind.“
Auch Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO der Erste Bank, hebt die Rolle heimischer Innovation hervor:
„Eine positive digitale Zukunft braucht Innovationen, Investitionen und starke Kompetenzen in Österreich und Europa.
Mit Blick auf künftige technologische Entwicklungen ist es sinnvoll, sich frühzeitig mit neuen Anforderungen auseinanderzusetzen. Besonders stolz macht uns, dass wir in der Quantensicherheit führende österreichische Forschung in praktische und zukunftsorientierte Anwendung bringen können.“
Für die KEBA Group ist Künstliche Intelligenz ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Christoph Knogler, CEO der KEBA Group, betont, dass Unternehmen KI stärker in ihre Strategien integrieren und erfolgskritische Prozesse möglichst auf unabhängiger Infrastruktur betreiben sollten. Dabei verweist er auf europäische Cloud-Alternativen sowie On-Device- und On-Edge-KI-Lösungen.
"Die österreichische Industrie ist bekannt für ihren Erfindergeist und ihre Innovationskraft. Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz haben wir etwas den Startschuss verpasst und das gilt es nun aufzuholen. Derzeit liegen wir noch hinter dem europäischen Durchschnitt. Als Unternehmen müssen wir unsere eigene Entwicklung im Thema KI selbstwirksam aktiv vorantreiben – insbesondere muss KI in die Unternehmensstrategie, in die Führungsverantwortung hinein."
Auch SPAR ICS unterstützt die Initiative. Geschäftsführer Andreas Kranabitl sieht leistungsfähige Plattformen als Grundlage für digitale Anwendungen im Handel und möchte die Erfahrungen des Unternehmens in die Weiterentwicklung praxisnaher Lösungen einbringen.
"Als Anwender und Betreiber bringen wir unsere Erfahrung aktiv ein, um praxisnahe Lösungen mitzugestalten und digitale Souveränität in Österreich und Europa nachhaltig zu stärken."
Die Umdasch Group verweist auf ihre internationale Ausrichtung und verfolgt nach eigenen Angaben einen „glokalen“ Ansatz – eine globale Strategie mit lokaler Umsetzung. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Litzlbauer sieht digitale Souveränität als Voraussetzung, um weltweit operativ handlungsfähig zu bleiben und Risiken zu minimieren.
„Die Umdasch Group ist mit mehr als 160 Niederlassungen weltweit vertreten. Um diese Vielfalt zu managen, braucht es eine klare globale Strategie. Und dabei größtmögliche lokale Wertschöpfung und Souveränität, um uns unabhängiger von geopolitischen Ereignissen zu machen. Wir nennen das „glokal“: eine globale Strategie – lokal umgesetzt."
Gleichzeitig hebt er die Bedeutung gut ausgebildeter Fachkräfte in den Bereichen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit hervor.
Harald Schabernack, Chief Information Officer der Vienna Insurance Group, sieht in digitaler Souveränität vor allem eine Chance für Innovation:
„Digitale Souveränität bedeutet für uns als führendes Versicherungsunternehmen in Zentral- und Ostereuropa vor allem eines – eine große Chance:
Eigenständige Innovationen, die wir in Europa nach unseren eigenen Maßstäben vorantreiben, ermöglichen uns die Kontrolle über unsere Technologie und Daten zu behalten.
Sie sind zudem sicher, vertrauenswürdig und nah an den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden. Wer heute auf europäische Lösungen setzt, investiert in Unabhängigkeit und Innovationskraft zugleich.“
Die Initiative versteht sich als Impulsgeber und will ihr Positionspapier in den politischen sowie gesellschaftlichen Dialog mit Wirtschaft und Wissenschaft einbringen. Darüber hinaus sind Diskussionsveranstaltungen zum Thema digitale Souveränität geplant.