Auf der Microsoft AI Tour in London hat Konzernchef Satya Nadella neue Erweiterungen der Sovereign-Cloud-Strategie vorgestellt. Ziel ist es, Organisationen in stark regulierten oder sicherheitskritischen Bereichen einen stabilen Betrieb mit lokaler Kontrolle zu ermöglichen – auch dann, wenn keinerlei Cloud-Konnektivität zur Verfügung steht.
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Betrieb mit oder ohne Verbindung: Die Sovereign Private Cloud vereint Azure Local, Microsoft 365 Local und Foundry Local und stellt moderne Infrastruktur, Produktivitätsdienste sowie die Unterstützung großer KI-Modelle innerhalb jeder betrieblichen Grenze bereit.
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Satya Nadella, CEO von Microsoft
Digitale Souveränität entwickelt sich zunehmend von einem abstrakten Leitbild zu einer operativen Anforderung. Behörden, kritische Infrastrukturen und regulierte Unternehmen müssen IT-Umgebungen so gestalten, dass sie auch unter eingeschränkten oder bewusst unterbrochenen Netzwerkbedingungen funktionsfähig bleiben. Vor diesem Hintergrund hat Microsoft seine Sovereign-Cloud-Angebote erweitert. Die Neuerungen wurden im Rahmen der Microsoft AI Tour in London angekündigt und adressieren Szenarien, in denen Daten, Identitäten und Betriebsprozesse strikt innerhalb klar definierter souveräner Grenzen verbleiben müssen.
Eine zentrale Neuerung ist die Möglichkeit, Azure Local vollständig ohne Verbindung zu öffentlichen Cloud-Diensten zu betreiben. Diese Funktion steht ab sofort zur Verfügung. Organisationen können damit geschäftskritische Infrastrukturen lokal ausführen und gleichzeitig auf bekannte Azure-Governance- und Richtlinienmechanismen zurückgreifen. Verwaltung, Richtliniendurchsetzung und Workload-Ausführung verbleiben vollständig in der vom Kunden betriebenen Umgebung.
Der Ansatz richtet sich insbesondere an souveräne, klassifizierte oder isolierte Einsatzszenarien, in denen externe Abhängigkeiten nicht akzeptabel sind oder Konnektivität gezielt eingeschränkt wird. Azure Local ist dabei so ausgelegt, dass es von kleineren Installationen bis hin zu größeren, daten- oder KI-intensiven Umgebungen skaliert und ein einheitliches Betriebsmodell innerhalb der souveränen Grenze ermöglicht.
Neben der Infrastrukturebene adressiert Microsoft auch die Produktivitätsschicht. Mit Microsoft 365 Local können zentrale Server-Workloads – Exchange Server, SharePoint Server und Skype for Business Server – vollständig innerhalb der souveränen Umgebung betrieben werden, ebenfalls ohne Cloud-Verbindung. Auch diese Erweiterung ist ab sofort verfügbar.
Damit sollen Organisationen sicherstellen können, dass Kommunikation, Zusammenarbeit und Informationsaustausch selbst in vollständig getrennten Umgebungen aufrechterhalten bleiben. Die Dienste laufen lokal auf Azure Local und unterliegen den vom Kunden definierten Richtlinien für Zugriff, Resilienz und Compliance. Unterstützt werden die genannten Server-Produkte laut Microsoft langfristig bis mindestens 2035.
Mit Foundry Local erweitert Microsoft den Stack um die Fähigkeit, große und multimodale KI-Modelle lokal auszuführen. Zielgruppe sind Organisationen mit besonders hohen Sicherheits- und Souveränitätsanforderungen, die KI-Funktionen nutzen wollen, ohne Daten oder Modelle außerhalb ihrer kontrollierten Infrastruktur zu betreiben.
Foundry Local ist auf den Einsatz moderner Hardware ausgelegt und unterstützt den Betrieb großer Modelle auf lokalen Systemen, unter anderem auf Basis aktueller GPUs von Partnern wie NVIDIA. Inferenz, APIs sowie Betrieb und Wartung erfolgen vollständig innerhalb der souveränen Umgebung. Auch bei steigenden Anforderungen behalten Kunden laut Microsoft die Kontrolle über Daten, Modelle und Hardware.
Die drei Komponenten – Azure Local, Microsoft 365 Local und Foundry Local – bilden gemeinsam einen vollständig lokalisierten Full-Stack, der für unterschiedliche Konnektivitätsszenarien ausgelegt ist: von verbundenen über intermittierend verbundene bis hin zu vollständig getrennten Umgebungen. In der sogenannten Sovereign Private Cloud kann die Steuerungsebene je nach Szenario entweder in der Cloud oder vollständig lokal als Appliance betrieben werden.
Microsoft verfolgt dabei einen Ansatz, der Wahlmöglichkeiten bieten soll, ohne die Architektur zu fragmentieren. Organisationen können Workloads je nach Risiko, Regulierung und Einsatzgebiet platzieren, während Governance- und Richtlinienmodelle konsistent bleiben. Ziel ist es, einen unterbrechungsfreien Betrieb sicherzustellen, geschäftskritische Anwendungen zu schützen und gleichzeitig die Anforderungen an digitale Souveränität und Resilienz zu erfüllen.