Der neue Internet Security Report von WatchGuard Technologies zeigt einen deutlichen Anstieg bei neuartiger Malware, insbesondere auf Endgeräten und über verschlüsselte Kanäle. Auch KI-gestützte Phishing-Kampagnen nehmen zu. Unternehmen stehen vor veränderten Herausforderungen im Bereich Cybersicherheit.
Foto: WatchGuard
Corey Nachreiner, Chief Security Officer bei WatchGuard Technologies
WatchGuard Technologies hat seinen aktuellen Internet Security Report für das erste Quartal 2025 veröffentlicht. Die Auswertung basiert auf aggregierten und anonymisierten Daten der WatchGuard-Kundensysteme, deren Betreiber der Nutzung zu Forschungszwecken zugestimmt haben. Die Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg bei neu erkannten Bedrohungen – insbesondere im Bereich schwer zu identifizierender Malware. Gleichzeitig geht die Zahl klassischer Ransomware-Angriffe weiter zurück, während neue Angriffsmuster zunehmen.
Im Vergleich zum Vorquartal verzeichnete das WatchGuard Threat Lab einen Zuwachs von 171 Prozent bei der Anzahl einzigartiger Malware-Samples – ein neuer Höchstwert seit Beginn der Messungen. Parallel dazu stieg die Menge an sogenannter Zero-Day-Malware, also Schadsoftware, die herkömmliche signaturbasierte Erkennung umgeht.
„Die neuesten Erkenntnisse aus dem Internet Security Report scheinen einen größeren Trend in der Cybersicherheitsbranche zu bestätigen. Der KI-Krieg ist da. Angreifer setzen zunehmend auf Social Engineering und Phishing-Techniken, die durch KI-Tools noch verstärkt werden“, sagt Corey Nachreiner, Chief Security Officer bei WatchGuard Technologies. „Sie sind nun in der Lage, mithilfe automatisierter Prozessketten groß angelegte, hochgradig zielgerichtete Kampagnen zu starten.“
Erkennungsmechanismen auf Basis maschinellen Lernens konnten laut WatchGuard einen starken Zuwachs bei der Entdeckung bislang unbekannter Malware verzeichnen. Die Trefferquote von IntelligentAV stieg im Vergleich zum Vorquartal um 323 Prozent. Auch die herkömmliche Gateway-AntiVirus-Lösung (GAV) verzeichnete eine um 30 Prozent höhere Erkennungsrate.
Gleichzeitig nahm die Anzahl von über verschlüsselte Verbindungen (TLS) verbreiteter Malware um 11 Prozent zu. Diese Entwicklung weist laut WatchGuard auf den verstärkten Einsatz von Verschleierung und Verschlüsselung durch Angreifer hin. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, insbesondere auch verschlüsselte Verbindungen in Sicherheitsstrategien einzubeziehen.
Eine besonders auffällige Entwicklung betrifft Endgeräte: Hier registrierte das Threat Lab einen Anstieg neuer Malware-Varianten um 712 Prozent – nach drei Quartalen rückläufiger Zahlen. Die derzeit häufigste Malware auf Endpunkten ist der sogenannte LSASS Dumper. Diese Schadsoftware extrahiert Anmeldedaten, indem sie direkt im Kernel des Betriebssystems aktiv wird. Ziel ist es, Zugang zu Systemressourcen und Nutzerkonten zu erlangen.
Die Zahl der registrierten Ransomware-Angriffe ging im Vergleich zum Vorquartal um 85 Prozent zurück. Der Rückgang betrifft vor allem klassische Krypto-Ransomware. WatchGuard führt dies auf Fortschritte bei Backup- und Wiederherstellungsstrategien zurück. Dennoch befindet sich mit „Termite“ weiterhin eine Ransomware unter den am häufigsten registrierten Malware-Varianten.
Ebenfalls rückläufig ist der Missbrauch von Skripten, der sich laut Bericht halbierte und damit einen historischen Tiefstand erreicht. Dafür nehmen andere Methoden, wie sogenannte „Living-off-the-Land“-Techniken, zu. Hierzu zählt insbesondere die missbräuchliche Nutzung von Windows-Systemkomponenten, die im Vergleich zum Vorquartal um 18 Prozent zunahm.