Der Videokonferenzanbieter Zoom erweitert seine agentenbasierte KI-Plattform für Unternehmen. Neue Funktionen sollen Gespräche in Meetings, Anrufen oder Kundeninteraktionen direkt in automatisierte Arbeitsabläufe überführen und so die Lücke zwischen Kommunikation und operativer Umsetzung schließen.
Foto: Alex - stock.adobe.com
Foto: Zoom
Velchamy Sankarlingam, President of Product & Engineering bei Zoom
Die Nutzung von KI in Unternehmen konzentriert sich bislang häufig auf Assistenzfunktionen. Systeme erstellen Zusammenfassungen von Meetings, transkribieren Gespräche oder liefern Hinweise für weitere Schritte. Die tatsächliche Umsetzung von Aufgaben erfolgt jedoch oft weiterhin manuell und über mehrere voneinander getrennte Systeme hinweg.
Zoom hat nun eine Erweiterung seiner agentenbasierten KI-Plattform angekündigt, die genau diese Lücke schließen soll. Neue Funktionen in Zoom Workplace, Zoom Phone und den CX-Produkten sollen Gespräche direkt in Aktionen überführen und Workflows über verschiedene Systeme hinweg automatisieren.
„Die nächste Phase der Unternehmens-KI wird dadurch definiert, Gespräche in konkrete Maßnahmen zu überführen. Wir haben die agentenbasierte KI-Plattform von Zoom entwickelt, um Maßnahmen systemübergreifend zu koordinieren und jedes Meeting, jeden Anruf und jede Kundeninteraktion zu einem Auslöser für die Workflow-Automatisierung zu machen“,
sagt Velchamy Sankarlingam, President of Product & Engineering bei Zoom.
Im Zentrum der Ankündigung steht die Weiterentwicklung der sogenannten Enterprise Agentic AI 3.0 Plattform. Sie soll automatisierte Abläufe direkt in Kommunikationsprozesse integrieren, etwa in Meetings, Chats, Telefonate oder Interaktionen im Contact Center.
Neu ist insbesondere die Möglichkeit, vorgefertigte oder benutzerdefinierte KI-Agenten zu nutzen. Unternehmen können damit automatisierte Workflows erstellen, die ohne Programmieraufwand eingerichtet werden können. Die Agenten können beispielsweise Aufgaben im Vertrieb, in der IT oder im Marketing unterstützen und Aktivitäten in verschiedenen Unternehmenssystemen auslösen.
Zu den angekündigten Erweiterungen gehören außerdem zusätzliche Integrationen mit Drittanbietern sowie zehn neue sichere Suchkonnektoren, die den Zugriff auf Unternehmensdaten ermöglichen. Ergänzt wird die Plattform durch neue KI-Anwendungen wie Zoom AI Docs, AI Sheets und AI Slides, zusätzliche Funktionen für Zoom Phone Mobile sowie SMS-Unterstützung für den Zoom Virtual Agent AI Receptionist. Auch Verbesserungen bei der Meeting-Sicherheit und neue Möglichkeiten zur Workflow-Orchestrierung in natürlicher Sprache sind Teil der Erweiterung.
Ein zentraler Bestandteil der neuen Plattform ist der AI Companion 3.0, der künftig breiter innerhalb der Zoom-Produkte eingesetzt wird. Die neue Version wird in der Zoom-Workplace-App, den Zoom Business Services sowie in Workvivo eingeführt.
Die Plattform verbindet laut Zoom Konversationen, Unternehmensdaten und Anwendungen über eine föderierte KI-Architektur. Ziel ist es, Arbeitsabläufe vom Gespräch bis zum Abschluss effizienter zu gestalten.
Der Anbieter verweist dabei auf eine deutlich gestiegene Nutzung: Die Zahl der monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzer von AI Companion hat sich im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 im Jahresvergleich mehr als verdreifacht.
Zusätzlich wurde das Add-on Custom AI Companion erweitert. Damit können Unternehmen eigene KI-Agenten erstellen, die beispielsweise Informationen aus Unternehmenssystemen abrufen, Aufgaben automatisieren oder Workflows über verschiedene Plattformen hinweg koordinieren. Neue Integrationen ermöglichen es außerdem, Daten aus Anwendungen wie Salesforce, ServiceNow, Box, Google Drive oder OneDrive einzubinden.
Parallel zur Plattformerweiterung stellt Zoom mehrere neue KI-Anwendungen vor. Dazu gehören Zoom AI Docs, AI Sheets und AI Slides.
Mit diesen Anwendungen sollen Teams Inhalte aus Gesprächen oder Meetings direkt weiterverarbeiten können. Erkenntnisse aus Diskussionen lassen sich etwa in strukturierte Dokumente, Datenanalysen oder Präsentationsinhalte überführen. Die Funktionen sind direkt in Zoom Meetings integriert, sodass Inhalte gemeinsam in Echtzeit erstellt werden können.
Darüber hinaus kündigte das Unternehmen Zoom AI Services an. Dabei handelt es sich um eine neue Suite von KI-APIs für Sprache, Sprachverarbeitung, Schlussfolgerungen und Bildverarbeitung. Entwicklerinnen und Entwickler können damit auf Funktionen wie Transkription, Übersetzung oder Zusammenfassung zugreifen, die auch in den Zoom-Produkten selbst eingesetzt werden.
Auch die Kollaborationsplattform Zoom Workplace erhält mehrere neue Funktionen. Neben einer vereinfachten Benutzeroberfläche wird der AI Companion künftig über eine eigene Registerkarte erreichbar sein und als zentrale dialogbasierte Arbeitsfläche für Abfragen, Texterstellung und Workflow-Automatisierung dienen.
Zusätzlich führt Zoom den sogenannten Zoomie Group Assistant ein. Dieser fungiert als Teammoderator in Meetings, Chat und Zoom Rooms und soll Teams dabei unterstützen, sich auf gemeinsame Ziele zu konzentrieren und den Überblick über Aufgaben zu behalten. Weitere Funktionen umfassen einen KI-orientierten Chat mit automatischen Zusammenfassungen sowie eine Priorisierung wichtiger Inhalte.
Für internationale Meetings stellt Zoom außerdem eine Echtzeit-Audioübersetzung bereit, die zum Start in fünf Sprachen verfügbar ist. Eine neue Technologie zur Deepfake-Risikoerkennung soll darüber hinaus synthetische Audio- oder Videodaten in Meetings erkennen und entsprechende Warnungen ausgeben.
Auch im Bereich Telefonie und Kundenservice erweitert das Unternehmen seine Plattform. Zoom Phone unterstützt weltweit mehr als zehn Millionen Arbeitsplätze und erhält neue Funktionen, mit denen Gespräche stärker in automatisierte Abläufe integriert werden sollen. Dazu zählen etwa automatische Zusammenfassungen von Anrufen oder die anschließende Ausführung von Aufgaben wie dem Versenden von E-Mails.
Im Contact-Center-Bereich wird die agentenbasierte Automatisierung ebenfalls ausgebaut. Funktionen wie AI Expert Assist 3.0 sollen Mitarbeitende während Kundeninteraktionen mit Kontextinformationen und automatisierten Aufgaben unterstützen. Weitere Funktionen analysieren Interaktionsdaten und ermöglichen es Unternehmen, Customer Journeys über verschiedene Systeme und Kanäle hinweg zu entwerfen und zu automatisieren.
Zoom zufolge wächst der Bereich Customer Experience weiterhin zweistellig. In jedem der zehn größten CX-Abschlüsse des vergangenen Quartals war kostenpflichtige KI enthalten.