Der Fachkräftemangel in der Cybersecurity verschärft sich weiter. Laut aktueller ISC2-Studie kämpfen Unternehmen bereits heute mit Kompetenzdefiziten und fehlenden Spezialistinnen und Spezialisten. Der bevorstehende Ruhestand vieler erfahrener Fachkräfte könnte die Situation in den kommenden Jahren zusätzlich verschärfen.
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Unternehmen stehen im Bereich Cybersecurity zunehmend unter Druck. Neben steigenden Sicherheitsanforderungen und neuen Bedrohungslagen verschärfen fehlende Fachkräfte und Kompetenzdefizite die Situation. Gleichzeitig droht der demografische Wandel den Verlust von Erfahrungswissen und strategischer Expertise zu beschleunigen.
Nach Angaben des deutschen Statistischen Bundesamts werden bis 2039 rund 13,4 Millionen Erwerbstätige das gesetzliche Renteneintrittsalter erreichen. Das entspricht etwa 31 Prozent der aktuellen Erwerbsbevölkerung. Besonders kritisch ist dabei nicht nur der quantitative Verlust von Arbeitskräften, sondern der Wegfall langjähriger Erfahrung und eingespielter Prozesse.
Die aktuelle „2025 ISC2 Cybersecurity Workforce Study“ zeigt, dass bereits heute erhebliche Kompetenzlücken bestehen. Für die Studie wurden weltweit mehr als 16.000 Cybersecurity-Fachkräfte und Entscheidungsträgerinnen beziehungsweise Entscheidungsträger befragt, darunter 515 Personen in Deutschland.
Die Studie verdeutlicht, dass fehlende Cybersecurity-Kompetenzen längst operative Auswirkungen haben. 92 Prozent der Befragten in Deutschland berichten von mindestens einer negativen Folge aufgrund mangelnder Fachkompetenzen in ihren Teams. 77 Prozent gaben an, bereits mehrfach mit entsprechenden Problemen konfrontiert gewesen zu sein. Der weltweite Durchschnitt liegt hier bei 69 Prozent.
Darüber hinaus sehen 90 Prozent der deutschen Befragten mindestens einen Kompetenzbedarf innerhalb ihrer Sicherheitsteams. Allerdings stuften nur 14 Prozent diese Lücken als kritisch ein – im internationalen Vergleich ein niedrigerer Wert. Weltweit bezeichneten 23 Prozent der Befragten die Kompetenzdefizite als kritisch.
Parallel dazu bleibt die Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte schwierig. 43 Prozent der Unternehmen in Deutschland geben an, nicht genügend geeignete Talente zu finden, um ihre Sicherheitsteams ausreichend zu besetzen. Weltweit liegt dieser Wert bei 30 Prozent.
Auch Budgetfragen spielen eine Rolle: 26 Prozent der Befragten nennen fehlende finanzielle Mittel als Hindernis bei der Einstellung spezialisierter Fachkräfte. Die Kombination aus Personalmangel und Budgetdruck erschwert es Unternehmen zunehmend, Kompetenzlücken zu schließen und Sicherheitsanforderungen langfristig abzudecken.
Die Folgen reichen laut Studie von ineffizienten Prozessen bis hin zu steigenden Sicherheitsrisiken und Vorfällen.
Angesichts des angespannten Arbeitsmarkts setzen Unternehmen verstärkt auf interne Qualifizierung statt ausschließlich auf externe Neueinstellungen. Laut Studie sehen 24 Prozent der deutschen Befragten gezielte Budgets für interne Schulungen als wichtigen Hebel zur Schließung von Kompetenzlücken. Weitere 21 Prozent nennen externe Weiterbildungsmaßnahmen.
Gleichzeitig verändert sich der Einstieg in die Cybersecurity-Berufswelt. Während ältere Generationen häufig über klassische IT-Tätigkeiten in Sicherheitsaufgaben hineingewachsen sind, erfolgt der Einstieg bei jüngeren Fachkräften zunehmend über spezialisierte Cybersecurity-Ausbildungen.
Weltweit haben laut Studie 43 Prozent der über 45-Jährigen Cybersecurity-Aufgaben ursprünglich im Rahmen allgemeiner IT-Tätigkeiten übernommen. In der Altersgruppe zwischen 21 und 29 Jahren gelangen dagegen bereits 23 Prozent gezielt über entsprechende Ausbildungswege in die Branche.
Daneben gewinnen alternative Karrierepfade an Bedeutung. Dazu zählen Praktika, Ausbildungsprogramme, Zertifizierungen, Quereinstiege sowie praktische Projekterfahrung. Die Studie sieht darin einen Hinweis darauf, dass klassische Karrierewege in der Cybersecurity zunehmend durch flexiblere Modelle ergänzt werden.
Im Mittelpunkt steht dabei weniger die reine Anzahl an Mitarbeitenden als vielmehr die Verfügbarkeit relevanter Kompetenzen.
Besonders stark wächst laut ISC2 der Bedarf an Kompetenzen rund um Künstliche Intelligenz. 56 Prozent der deutschen Cybersecurity-Teams berichten nach der Einführung KI-basierter Sicherheitswerkzeuge von deutlichen Produktivitätssteigerungen.
Gleichzeitig zählt KI zu den wichtigsten Zukunftskompetenzen innerhalb der Branche. 43 Prozent der deutschen Befragten nennen KI-Know-how als eine der zentralen Fähigkeiten, um langfristig relevant und „zukunftssicher“ zu bleiben.
Die Studie betont jedoch, dass KI den Fachkräftemangel nicht kompensieren kann. Trotz Automatisierung und Effizienzgewinnen bleibe der Bedarf an erfahrenen Cybersecurity-Expertinnen und -Experten hoch. Unternehmen benötigen weiterhin qualifizierte Teams, um KI-Technologien sicher einzuführen, Ergebnisse zu bewerten und neue Risiken zu kontrollieren.
ISC2 empfiehlt Unternehmen daher, frühzeitig gegenzusteuern. Dazu zählen der Ausbau von Ausbildungs- und Praktikumsprogrammen, strukturierte Weiterbildungsmaßnahmen, Wissensmanagement sowie eine frühzeitige Nachfolgeplanung für kritische Rollen.
Vor allem der Wissenstransfer zwischen erfahrenen Mitarbeitenden und Nachwuchskräften werde in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen, um operative Risiken und Sicherheitsvorfälle zu vermeiden.