Auf der Bühne in Las Vegas macht Thomas Kurian, CEO von Google Cloud, deutlich: Künstliche Intelligenz ist längst produktiv im Einsatz. Gemeinsam mit Sundar Pichai, CEO von Google, zeigt er, wie autonome Agenten Geschäftsprozesse transformieren – und warum Unternehmen jetzt umdenken müssen.
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Thomas Kurian, CEO von Google Cloud
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Sundar Pichai, CEO von Google
Schon in den ersten Minuten der Eröffnungskeynote wird deutlich, wie grundlegend sich die Rolle von KI verändert hat. Thomas Kurian blickt auf das Versprechen des Vorjahres zurück – und erklärt, dass es bereits Realität geworden ist:
„Heute läuft diese Zukunft bereits produktiv – in einem Ausmaß, wie es die Welt noch nie gesehen hat.“
Die Zahlen, die er nennt, unterstreichen diese Entwicklung: Rund 75 Prozent der Google-Cloud-Kunden nutzen inzwischen KI aktiv in ihren Geschäftsprozessen. Für Kurian markiert das eine Zäsur: Die Experimentierphase ist beendet, die Transformation hat begonnen.
Die zentrale Herausforderung beschreibt Kurian klar – und erklärt, warum aus seiner Sicht nur eine integrierte Architektur echten Mehrwert schaffen kann:
„Die Experimentierphase liegt hinter uns – jetzt beginnt die eigentliche Herausforderung: Wie bringen Sie KI in die Produktion über Ihr gesamtes Unternehmen hinweg? Die Antwort ist ein einheitlicher Stack. Sie können KI nicht liefern, indem Sie fragmentierte Hardware und voneinander getrennte Modelle zusammenstückeln.“
Damit formuliert Kurian die strategische Grundlage: KI muss ganzheitlich gedacht werden – von der Hardware bis zur Anwendung.
Sundar Pichai ordnet diese Entwicklung in einen größeren Kontext ein. Für ihn ist die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts beispiellos – schneller, als er es trotz jahrzehntelanger Erfahrung je erlebt hat.
Um an der Spitze zu bleiben, investiert Google massiv:
„2022 haben wir 31 Milliarden Dollar investiert. In diesem Jahr planen wir Investitionen zwischen 175 und 185 Milliarden Dollar.“
Diese Investitionen bilden die Grundlage für das, was Pichai als neue Phase beschreibt – die „agentische Gemini-Ära“.
In dieser Ära übernehmen autonome Systeme zunehmend komplexe Aufgaben. Intern zeigt sich das bereits deutlich:
„Heute werden fast 75 Prozent des neuen Codes bei Google von KI generiert und von Ingenieuren freigegeben.“
Im Zentrum der Keynote steht die neue Plattform Gemini Enterprise. Pichai beschreibt ihre Funktion als zentrale Steuerungsebene – als sichere, durchgängige Verbindung, die benötigt wird, um Agenten zuverlässig zu entwickeln, zu skalieren und zu steuern.
Kurian führt diesen Gedanken weiter und positioniert Gemini Enterprise als umfassendes System:
„Gemini Enterprise ist nun das End-to-End-System für die agentische Ära – die Verbindung zwischen Ihren Daten, Ihren Mitarbeitern und Ihren Zielen.“
Die Plattform vereint Daten, Modelle und Prozesse zu einem durchgängigen Workflow und „verwandelt isolierte Prozesse in einen einzigen intelligenten Ablauf“.
Damit entsteht ein neues Paradigma: KI wird nicht mehr nur unterstützend eingesetzt, sondern orchestriert aktiv Geschäftsprozesse.
Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind weitreichend. Unternehmen setzen zunehmend auf spezialisierte KI-Agenten, die eigenständig Aufgaben übernehmen. Kurian betont:
„Ihr wahrer Wert entsteht erst, wenn sie operativ eingesetzt werden, um geschäftskritische Probleme zu lösen.“
Die Beispiele reichen von Finanzdienstleistungen bis zur Raumfahrt. Besonders hervorgehoben wird die Zusammenarbeit mit der NASA:
„um mit Gemini-Enterprise-Agenten die Flugbereitschaft zu unterstützen und die Sicherheit der Astronauten bei Artemis 2 zu gewährleisten“
Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Mitarbeiter grundlegend:
„Jeder Mitarbeiter in jeder Organisation kann zum Entwickler werden.“
Doch diese Demokratisierung bringt neue Herausforderungen mit sich:
„Die Diskussion hat sich von ‚Können wir einen Agenten bauen?‘ zu ‚Wie verwalten wir Tausende davon?‘ verschoben.“
Am Ende verdichtet Kurian die zentrale Botschaft der Veranstaltung in einem prägnanten Satz:
„Die Ära des Piloten ist vorbei. Die Ära der Agenten hat begonnen.“