Forscher von ESET haben eine neue Android-Malware entdeckt, die Googles KI-Modell Gemini einsetzt, um sich selbst vor dem Schließen zu schützen und dauerhaft aktiv zu bleiben. Die Technik ermöglicht nahezu vollständige Kontrolle über infizierte Smartphones.
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Lukáš Štefanko von ESET Research
Cyberkriminelle integrieren erstmals generative KI direkt in den laufenden Betrieb von Android-Schadsoftware. Das europäische IT-Sicherheitsunternehmen ESET hat eine Malware identifiziert, die Googles KI-Modell Gemini nutzt, um Benutzeroberflächen zu analysieren und gezielt Systemeingriffe vorzunehmen. Ziel ist es, das Schließen der App zu verhindern und die Kontrolle über das Gerät aufrechtzuerhalten.
Die Schadsoftware mit dem Namen PromptSpy tarnt sich als Banking-App „MorganArg“, einer Fälschung der Chase/JPMorgan-Anwendung, und wird über gefälschte Webseiten verbreitet. Derzeit richtet sich die Kampagne vor allem gegen Nutzer in Argentinien, die Technik ist jedoch weltweit einsetzbar. Nach der Installation übergibt die Malware den aktuellen Bildschirminhalt an Gemini. Das KI-Modell analysiert die Oberfläche und gibt schrittweise Anweisungen, welche Schaltflächen betätigt werden müssen, um das Beenden der App zu verhindern.
Lukáš Štefanko von ESET Research erklärt:
„Die Schadsoftware lässt sich von der KI erklären, was sie als Nächstes tun muss. Damit funktioniert sie auf nahezu jedem Gerät, unabhängig von Hersteller oder Android-Version. Das macht sie besonders anpassungsfähig.“
Nach der Entdeckung der KI-gestützten Ransomware PromptLock im August 2025 ist PromptSpy bereits der zweite bekannte Fall, in dem Angreifer generative KI tief in Schadcode integrieren, um technische Hürden zu überwinden.
Ist die Malware aktiv, installiert sie ein Fernsteuerungsmodul. Angreifer können den Bildschirm live mitverfolgen, Eingaben auslesen, Nachrichten lesen, Apps öffnen, Überweisungen auslösen und Passwörter abfangen. Das Entfernen der Schadsoftware wird zusätzlich erschwert, indem unsichtbare Elemente bestimmte Schaltflächen blockieren.
Štefanko erläutert:
„Wir sehen hier eine neue Qualität von Android-Schadsoftware. KI wird nicht nur als Schlagwort genutzt, sondern konkret eingesetzt, um Schutzmechanismen zu umgehen.“
Hinweise deuten darauf hin, dass die Entwickler aus einem chinesischsprachigen Umfeld stammen. In offiziellen App-Stores war die Anwendung nicht verfügbar.
ESET rät weiterhin dazu, Apps ausschließlich aus offiziellen Quellen wie Google Play zu installieren und besonders aufmerksam zu sein, wenn Anwendungen zusätzliche Berechtigungen für Bedienungshilfen („Accessibility“) verlangen. Regelmäßige System-Updates reduzieren das Risiko zusätzlich. Bei Verdacht auf eine Infektion empfiehlt ESET, das Gerät im abgesicherten Modus neu zu starten, um schädliche Apps entfernen zu können. Android-Geräte mit aktiviertem Google Play Protect sind gegen bekannte Varianten der Schadsoftware geschützt.