KI-Agenten erhalten durch sogenannte AI Skills zusätzliche Funktionen – genau darin sehen Sicherheitsforscher eine neue Angriffsfläche. ESET hat rund 900.000 AI Skills untersucht und dabei mehr als 25.000 verdächtige sowie über 3.000 eindeutig schadhafte Erweiterungen identifiziert. Die Ergebnisse sind Teil des aktuellen ESET Threat Reports für den Zeitraum Januar bis Mai 2026.
Mit der zunehmenden Verbreitung agentischer KI rücken auch deren Erweiterungen stärker in den Fokus der Cybersicherheit. AI Skills ermöglichen KI-Agenten unter anderem das Erstellen von Dokumenten, die Bearbeitung von Tabellen oder den Zugriff auf Online-Dienste. Werden jedoch manipulierte oder schadhafte Erweiterungen eingebunden, können diese nicht nur Antworten beeinflussen, sondern auch Aktionen im Namen des Nutzers ausführen.
Die Sicherheitsforscher von ESET analysierten rund 900.000 AI Skills und identifizierten dabei mehr als 25.000 verdächtige sowie gut 3.000 eindeutig schadhafte Erweiterungen. Die Ergebnisse sind Teil des aktuellen ESET Threat Report für den Zeitraum Januar bis Mai 2026.


Anzahl der täglich von ESET Systemen erkannten einzigartigen AI Skills (Quelle: ESET)
Nach Angaben von ESET können Cyberkriminelle manipulierte AI Skills nutzen, um KI-Agenten zu kompromittieren. Mögliche Folgen sind das Auslesen sensibler Daten, das Nachladen weiterer Schadsoftware oder die dauerhafte Veränderung des Verhaltens eines KI-Agenten.
Foto: ESET
Jiri Kropac, Leiter des Threat Prevention Labs bei ESET
„AI Skills sind für Angreifer attraktiv, weil sie direkt in den Arbeitsablauf eines KI-Agenten eingreifen können. Ein manipulierter Skill kann einen Agenten dazu bringen, Daten preiszugeben, Schadsoftware nachzuladen oder dauerhaft anders zu handeln als vorgesehen“,
erklärt Jiří Kropáč, Leiter des Threat Prevention Labs bei ESET. „Mit der wachsenden Verbreitung agentischer KI steigt deshalb auch das Risiko durch ungeprüfte Erweiterungen.“
Viele KI-Agenten verfügen über weitreichende Berechtigungen, um auf Dateien, Konten, Anwendungen oder externe Dienste zuzugreifen. In bestimmten Anwendungsfällen können sie auch Transaktionen auslösen. Je umfangreicher diese Rechte sind, desto größer ist laut ESET das potenzielle Schadensausmaß eines kompromittierten AI Skills.
Als Beispiel nennt ESET den legitimen Skill „Credit Claw“, der KI-Agenten Online-Käufe ermöglicht. Der Skill selbst sei nicht schadhaft. Wird jedoch der Agent kompromittiert, könnten Cyberkriminelle Waren oder Dienstleistungen auf Kosten des Opfers erwerben. Weitere von ESET identifizierte Skills konnten Anmeldedaten stehlen, Schadcode nachladen oder Agenten für Aufgaben im Interesse der Angreifer einsetzen.
Nicht alle auffälligen Erweiterungen erwiesen sich als unmittelbar schädlich. Einige AI Skills wurden jedoch als umfassende Sicherheitslösungen beworben, obwohl sie lediglich Hashes, URLs oder IP-Adressen mit Online-Datenbanken abglichen.
„Rein signaturbasierte Prüfungen reichen gegen moderne Cyberbedrohungen nicht aus. Sie erkennen vor allem bekannte Muster, stoßen aber bei neuen, veränderten oder gezielt verschleierten Angriffen schnell an Grenzen“,
erklärt Kropáč. „Wer KI-Agenten nutzt, sollte sich daher nicht auf einfache Scanner-Skills verlassen, sondern auf etablierte Sicherheitslösungen setzen, die bekannte und unbekannte Bedrohungen erkennen können.“
Um Risiken beim Einsatz von KI-Agenten zu reduzieren, empfiehlt ESET, Berechtigungen konsequent auf die jeweils benötigten Daten und Anwendungen zu beschränken. AI Skills sollten ausschließlich aus vertrauenswürdigen Quellen stammen und vor ihrem Einsatz geprüft werden. Darüber hinaus rät das Unternehmen, sensible Daten nicht leichtfertig an KI-Agenten weiterzugeben sowie KI-generierte Anweisungen und Code nicht ungeprüft auszuführen.
Kritische Aktionen wie Zahlungen, Rechteänderungen, Datei-Downloads oder Sicherheitsanpassungen sollten nach Empfehlung von ESET nicht vollständig automatisiert erfolgen, sondern vor der Ausführung bestätigt werden. Zusätzlich stellt das Unternehmen einen kostenfreien AI Skills Checker bereit, mit dem sich Erweiterungen auf schadhafte Eigenschaften überprüfen lassen.