Mehr als die Hälfte der europäischen Unternehmen erzielt durch den Einsatz von KI bereits messbare finanzielle Vorteile. Besonders profitieren Private-Equity-Häuser, während Österreich im Ländervergleich noch zurückliegt. Gleichzeitig wächst das Vertrauen in den EU AI Act, auch wenn Wettbewerbsnachteile gegenüber den USA und China befürchtet werden.
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Susanne Zach, AI & Data Lead Partnerin bei EY Österreich
Der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) hat spürbare wirtschaftliche Auswirkungen auf europäische Unternehmen. Laut dem aktuellen EY European AI Barometer 2025 steigern Unternehmen ihre Gewinne oder senken ihre Kosten durch KI im Durchschnitt um 6,24 Millionen Euro. 56 Prozent der Befragten berichten von positiven finanziellen Effekten – ein Plus von elf Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.
„Dass bereits mehr als die Hälfte der Unternehmen wirtschaftlich von KI profitiert, ist ein starkes Signal. Wer sich nicht mit KI auseinandersetzt, wird langfristig zurückfallen – sowohl als Unternehmen als auch als Einzelperson. Doch wir stehen erst am Anfang dieser technologischen Revolution. Es ist noch nicht zu spät, sich strategisch mit KI auseinanderzusetzen“, betont Susanne Zach, AI & Data Lead Partnerin bei EY Österreich.
Die stärksten positiven Effekte verzeichnen Unternehmen in den Branchen Private Equity (92 Prozent), Advanced Manufacturing (78 Prozent), Sport (74 Prozent) und Agrarwirtschaft (73 Prozent). Am unteren Ende liegen öffentliche Verwaltung (35 Prozent), Professional Services (41 Prozent) und das Gesundheitswesen (48 Prozent).
Im europäischen Vergleich führt Spanien mit 70 Prozent an Unternehmen, die positive Auswirkungen melden, gefolgt von Belgien (60 Prozent) und Deutschland (59 Prozent). Österreich liegt mit 47 Prozent gemeinsam mit Portugal (42 Prozent) am unteren Ende – zeigt aber dennoch eine deutliche Verbesserung: Im Vorjahr waren es hierzulande nur 34 Prozent.
Neben finanziellen Effekten berichten 43 Prozent der Befragten von gesteigerter Produktivität. Führungskräfte (56 Prozent) nehmen diesen Effekt deutlich häufiger wahr als Mitarbeitende ohne Führungsverantwortung (35 Prozent). Auch geschlechtsspezifische Unterschiede sind erkennbar: Männer (48 Prozent) geben häufiger Produktivitätssteigerungen an als Frauen (39 Prozent).
In Österreich erwarten 49 Prozent vor allem Zeitersparnis durch KI, gefolgt von Kostensenkungen (42 Prozent) und Fehlerreduktion (42 Prozent). Gleichzeitig bestätigen 57 Prozent der Führungskräfte Produktivitätssteigerungen bei ihren Mitarbeitenden, während nur 32 Prozent der Mitarbeitenden eine verbesserte Effizienz ihrer Vorgesetzten feststellen.
Als größte Chancen durch KI sehen die Befragten Effizienzsteigerungen (30 Prozent), Ressourcenoptimierung (26 Prozent) und besseren Kundenservice (24 Prozent). Bedenken bestehen hingegen beim Datenschutz (30 Prozent), bei ethischen Fragen (27 Prozent) und hinsichtlich möglicher Arbeitsplatzverdrängung (25 Prozent). In Österreich äußern 33 Prozent Datenschutzsorgen, 28 Prozent sehen ethische Risiken, 25 Prozent fürchten Arbeitsplatzverluste – vor allem im administrativen Bereich.
Gleichzeitig überwiegt die Zuversicht in Bezug auf Regulierung: 61 Prozent der Befragten erwarten positive Auswirkungen des EU AI Act auf ihr Unternehmen. Mit Inkrafttreten zentraler Governance-Vorgaben wie AI Office und AI Board am 2. August 2025 sollen Vertrauen und Sicherheit geschaffen werden.
„Einheitliche gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen Vertrauen und Sicherheit. Doch im Vergleich zu den USA und China, wo die regulatorischen Anforderungen deutlich geringer sind, besteht die Gefahr, dass Europa im globalen Wettbewerb zurückfällt“, warnt Zach. Unternehmen seien gut beraten, frühzeitig Compliance-Strukturen aufzubauen, KI-Systeme zu klassifizieren und regulatorische Anforderungen zu erfüllen.
Die vollstänige Studie (EY European AI Barometer 2025 - Österreich Edition) finden Sie hier.