Mit eustella startet ein Wiener Startup eine KI-Agenten-Plattform, deren gesamte Infrastruktur nach Unternehmensangaben ausschließlich in Europa betrieben wird. Das Angebot richtet sich an Privatnutzerinnen und Privatnutzer sowie perspektivisch an Unternehmen und setzt auf europäische Cloud-Infrastruktur, Open-Weight-Modelle und ein wachsendes Partnernetzwerk. Der Launch fällt in eine Phase, in der die Diskussion um digitale Souveränität und europäische Unabhängigkeit bei Künstlicher Intelligenz weiter an Bedeutung gewinnt.
Im Bild v.l.n.r.: Christian Trummer (Bitpanda), Karl Kugler (AI Factory Austria AI:AT), Markus Stöhr (AI Factory Austria AI:AT), Matteo Rosoli (eustella), Phillip Maasberg (IONOS CLOUD), Johannes Brandstetter (Mistral AI), Daniel Pepl (AI Factory Austria AI:AT) - (Foto: AI Factory Austria AI:AT/APA-Fotoservice/Arman Rastegar)
Der Markt für generative Künstliche Intelligenz wird derzeit von US-amerikanischen Anbietern dominiert. Gleichzeitig rücken Fragen nach Datenhoheit, regulatorischen Rahmenbedingungen und technologischer Unabhängigkeit zunehmend in den Fokus europäischer Unternehmen und Institutionen. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Thema zuletzt durch Einschränkungen beim Zugang zu einzelnen KI-Modellen außerhalb der USA.
Vor diesem Hintergrund hat das Wiener Startup eustella seine gleichnamige KI-Agenten-Plattform für iOS, Android und Web vorgestellt. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um Europas erste vollständig souveräne KI-Agenten-Plattform, deren gesamte Infrastruktur innerhalb Europas betrieben wird.
Im Mittelpunkt des Konzepts steht der vollständige Betrieb der Plattform auf europäischer Infrastruktur. Dafür nutzt eustella Server der IONOS Cloud in Deutschland und weiteren europäischen Standorten. Das Unternehmen gibt an, dass sämtliche Datenverarbeitung innerhalb der Europäischen Union erfolgt und Nutzerdaten nicht für das Training von KI-Modellen verwendet werden.
Technologisch setzt die Plattform auf Open-Weight- beziehungsweise Open-Source-Modelle, die laut Unternehmen selbst betrieben werden. Zum Einsatz kommen unter anderem Gemma 4, Qwen 3.5 und 3.7, gpt-oss-120b sowie Modelle von Mistral AI. Für die Bildgenerierung wird Flux von Black Forest Labs genutzt.
Die Plattform bündelt unterschiedliche KI-Funktionen in einer Anwendung. Dazu zählen Internetrecherchen, Reiseplanung, Nachrichtenzusammenfassungen, Bildgenerierung sowie die Erstellung von Präsentationen. Darüber hinaus können Nutzerinnen und Nutzer eigene KI-Agenten anlegen, Projekte verwalten, gemeinsam in Gruppen arbeiten und eine Memory-Funktion verwenden, die persönliche Präferenzen und Inhalte speichert.
Foto: AI Factory Austria AI:AT/APA-Fotoservice/Arman Rastegar
Matteo Rosoli, CEO von eustella
Matteo Rosoli, CEO von eustella, sagt:
„Wir warten nicht darauf, dass Europa digital unabhängig wird. eustella macht es heute möglich. Wer heute KI nutzt, nutzt meist Black-Box-Systeme unter ausländischer Kontrolle. eustella bricht dieses Muster: Datenhoheit und technologische Kontrolle bleiben zu 100 Prozent in Europa.“
Neben der technischen Infrastruktur setzt eustella auf Kooperationen mit europäischen Unternehmen. Zu den ersten integrierten Partnern zählen Bitpanda und Geizhals.
Über die Anbindung an Bitpanda können aktuelle Informationen zu Kryptowährungen bereitgestellt werden. Geizhals liefert Produkt- und Preisdaten für Produktrecherchen. Nach Unternehmensangaben sollen in den kommenden Monaten weitere Integrationen in Bereichen wie Reisen, Navigation, Shopping, Bildung und Lifestyle folgen.
Damit verfolgt eustella den Ansatz, klassische Chatbot-Funktionen um externe Datenquellen und agentenbasierte Arbeitsabläufe zu erweitern. Anstelle reiner Textantworten sollen Nutzerinnen und Nutzer auf aktuelle Informationen aus spezialisierten Datenquellen zugreifen können.
Zum Marktstart bietet das Unternehmen verschiedene Abonnements an, die laut eustella preislich unter vergleichbaren Angeboten internationaler Anbieter liegen. Bereits während der Testphase hätten rund 5.000 Personen die Plattform genutzt.
Rosoli sieht die Plattform als Antwort auf die wachsende Nachfrage nach europäischen KI-Lösungen:
„Der Markt wartet nicht auf die perfekte Lösung von morgen, er braucht die souveräne Lösung von heute.“
Der Produktlaunch wird auch von der AI Factory Austria (AI) als Beispiel für den Aufbau eines europäischen KI-Ökosystems hervorgehoben. eustella hat seinen Firmensitz im Coworking Hub der AI Factory Austria und entstand damit in einem Umfeld, das Startups, Forschungseinrichtungen, Industrie und öffentliche Einrichtungen zusammenbringen soll.
Die AI Factory Austria versteht sich als österreichischer Zugangspunkt zum europäischen AI-Factories-Netzwerk und unterstützt Unternehmen unter anderem mit Infrastrukturzugang, technischer Beratung, Trainings sowie der Umsetzung von KI-Projekten. Für die Organisation ist der Marktstart von eustella ein Beispiel dafür, welche Rolle ein entsprechendes Innovationsökosystem für die Entwicklung marktfähiger KI-Anwendungen spielen kann.
Auch aus der Politik erhält das Thema Unterstützung. Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll bezeichnet europäische KI-Lösungen auf eigener Infrastruktur als wichtigen Baustein für die digitale Handlungsfähigkeit Europas.