Alle 14 Tage aktuelle News aus der IT-Szene   >   
Erweiterung der Datenfreiheit für Veeam-Kunden: Proxmox VE-Support kommt 28. 05. 2024
Veeam Software kündigt die Unterstützung für Proxmox VE an, eine häufig nachgefragte Virtualisierungsplattform, um das Datenmanagement und die Cyber-Resilienz zu verbessern.
ISPA sieht einen Rückschlag für den Datenschutz in EUGH Urteil 16. 05. 2024
Die ISPA, der Interessenverband der österreichischen Internetwirtschaft, äußert sich besorgt über das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Vorratsdatenspeicherung. Der Verband sieht darin eine ernsthafte Bedrohung für Grundrechte und fordert die Politik auf, gegen überzogene Überwachungstendenzen klar Stellung zu beziehen, eine umfassende Überprüfung der aktuellen Rechtslage zur Vorratsdatenspeicherung durchzuführen, klare Grenzen zu setzen und die Freiheiten der Menschen in einer digitalisierten Welt zu bewahren.
AWS startet in neue Ära der KI-gestützten Softwareentwicklung 14. 05. 2024
AWS erweitert mit Amazon Q die Möglichkeiten der Softwareentwicklung durch den Einsatz von KI. Die Plattform fördert die Automatisierung und bietet umfangreiche Integrationsoptionen, wodurch Unternehmen unterschiedlicher Größe ihre Daten sicher und effizient verwalten können. Mit Amazon Q stellt AWS ein Tool bereit, das sowohl die Entwicklergemeinschaft als auch nicht-technische Mitarbeiter unterstützt.
Studie von Ping Identity enthüllt Lücken im Identitätsschutz 08. 05. 2024
Eine internationale Umfrage von Ping Identity offenbart, dass viele Unternehmen Schwierigkeiten bei der Identitätsverifikation haben und unzureichend gegen KI-basierte Angriffe geschützt sind. Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass Unternehmen im Bereich Identitätsschutz im KI-Zeitalter noch großen Nachholbedarf haben. Experten empfehlen dringend, Investitionen in fortschrittlichere Technologien und Strategien zu tätigen, um sich gegen die wachsenden Bedrohungen durch künstliche Intelligenz zu wappnen.
Sichere Geldanlage mit IT-Expertise made in Austria 08. 05. 2024
Die Anforderungen für Bundeschatz, das neue Geldanlegerprodukts des Bundes, waren hoch: Die Web-Applikation sollte äußerst benutzerfreundlich und zugleich in höchstem Maße sicher sein und die Entwicklung sollte in Rekordzeit umgesetzt werden. Erfüllt wurden diese Anforderungen von einem Spezialisten für Custom Software Development mit Headquarter in Wien.
Commvault startet Cloud-basierte Cleanroom-Recovery-Lösung 02. 05. 2024
Commvault präsentiert eine neue, in der Cloud gehostete Lösung zur Datenwiederherstellung, die speziell für Unternehmen jeder Größe entwickelt wurde.
Bedrohungslage für ERP-Systeme verschärft sich drastisch: Neue Studie zeigt Zunahme der Ransomware-Vorfälle 02. 05. 2024
Eine aktuelle Untersuchung der Sicherheitsunternehmen Onapsis und Flashpoint offenbart eine alarmierende Zunahme von Ransomware-Angriffen auf SAP-Systeme. Die Studie dokumentiert einen Anstieg der Attacken um 400 Prozent, was auf eine erhöhte Ausnutzung von Schwachstellen in ERP-Systemen zurückzuführen ist. Die Cyberangriffe erreichen neue Dimensionen.
Veeam baut seine Marktführerschaft im Bereich der Datensicherung weiter aus 02. 05. 2024
Laut einem aktuellen Bericht der International Data Corporation (IDC) bestätigt Veeam seine führende Position im globalen Markt für Datenreplikations- und Schutzsoftware durch kontinuierliches Wachstum und Innovation. Die neuesten Produktentwicklungen und strategischen Partnerschaften unterstreichen die Reaktion auf die Herausforderungen moderner IT-Umgebungen und Cyberbedrohungen.
Neue Visualisierungstools unterstützen Biomediziner und Datenjournalisten 02. 05. 2024
Ein Forschungsverbund unter Beteiligung der FH St. Pölten und weiterer renommierter Institutionen entwickelte neue Hilfsmittel für Visual Analytics, die speziell auf die Bedürfnisse von Biomedizinern und Datenjournalisten zugeschnitten sind.
Langzeitstudie analysiert KI-Einsatz in B2B Social-Media-Kommunikation 24. 04. 2024
Die Langzeitstudie zur Social-Media-Kommunikation von B2B-Unternehmen ist heuer zum 14. Mal angelaufen. Dieses Jahr liegt ein besonderes Augenmerk auf dem Einfluss künstlicher Intelligenz.
Österreichs Bundesrechenzentrum fördert Nachhaltigkeit durch CO2-freie IT 23. 04. 2024
Das IT Rechenzentrum des Bundes in Wien treibt mit grünem Strom und innovativen Energierückgewinnungssystemen die Nachhaltigkeit in Österreichs IT-Landschaft voran.
Wachsender Bedarf an digitaler Sicherheit durch Post-Quanten-Kryptographie 22. 04. 2024
Die Ergebnisse des PKI & Digital Trust Report 2024 von Keyfactor und Vanson Bourne unterstreichen den dringenden Bedarf an verbesserten Sicherheitsmaßnahmen in Unternehmen im Hinblick auf die bevorstehende Ära der Quantencomputer.
KI sichert Lieferketten 22. 04. 2024
SAP unterstützt mit KI-gestützten Lieferketteninnovationen bei der Umgestaltung der Fertigung.
A1 Österreich übernimmt die NTT Austria vollständig 10. 04. 2024
A1 Österreich kündigt die Übernahme von 100% der Anteile an der NTT Austria an, nachdem sie bereits das Alcatel Lucent Telefoniegeschäft erfolgreich integrierte.
ACP TechRent fusioniert mit McWERK 08. 04. 2024
ACP TechRent erweitert sein Managed-Service-Angebot im Bereich Workplace und Education.
Veeam würdigt herausragende Leistungen seiner Partner in Österreich 03. 04. 2024
Die Veeam Partner Awards gehen heuer an SNS - Saturn Networking Solutions, ANEO Solutions, A1 Telekom Austria, ACP IT Solutions, Bechtle Austria, Cancom Austria und MAIT Austria.
KPMG Österreich tritt SAP-PartnerEdge-Programm bei 27. 03. 2024
Dem Beratungshaus stehen im Rahmen der neuen Kooperation zahlreiche Tools für die digitale Geschäftstransformation zur Verfügung.
SAP und NVIDIA intensivieren Partnerschaft 20. 03. 2024
Die beiden Tech-Player wollen mit ihrer neuen Kooperation den Einsatz generativer KI in Unternehmensanwendungen vorantreiben.
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Future Talk: Digitale Transformation

Strategie erzeugt Mehrwert

Vision, Innovation, Außensicht, Agilität, Daten, Prozesse, Pragmatismus und das Ausbalancieren von Alt und Neu – das sind entscheidende Zutaten im Transformationsprozess aus Sicht der Expertenrunde. Die Rolle von KI wurde auch besprochen und wie es KMU geht: nämlich mittendrin statt nur dabei. Von Michaela Ortis

Das neue Format „Future Talk“ hat wieder zum Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft geladen. Am Programm stand das Thema digitale Transformation und – das kann gleich vorweggenommen werden – die Rund der Expert:innen war sich einig, dass es in dieser Diskussion nicht um Technologie, sondern um Strategie und Mehrwert geht. Der Future Talk ging daher in die Tiefe: Anschauliche Beispiele aus Kundenprojekten, sowie bemerkenswerte Zahlen und Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien zeigten handfeste Gründe, diesen Veränderungsprozess im Unternehmen strategisch anzugehen.

Neues Denken ist gefragt

Alles redet von digitaler Transformation, aber was ist damit konkret gemeint? Die erste Definition im Brainstorming lieferte Andreas Dangl, Geschäftsführer von Fabasoft Approve: „Wesentlich ist der Unterschied zwischen Digitalisierung und der Transformation, die sich daraus ergibt. Der Mehrwert liegt nicht in Buzz Words wie KI oder Big Data, sondern in der Transformation der Prozesse. Man muss die PS auf die Straße bringen und Arbeitsläufe neu gestalten.“ Dazu gelte es, das Silodenken aufzubrechen. Oft denken Unternehmen nur an ihr eigenes Geschäftsmodell, aber der Mehrwert liege dort, wo man sein Geschäft effizienter abwickeln kann und das bezieht die ganze Lieferkette mit ein. „Es stellt sich daher die Frage: Wie gehe ich das als einzelnes Unternehmen an, wie schaffe ich es, Teil eines Ökosystems zu sein? Einer unserer großen Kunden ist der Anlagenbauer Siemens Energy, der Turbinen, Pumpen oder Rohrleitungen benötigt. Um diese Teile von Sub-Lieferanten effizient beziehen zu können, hat er eine digitale cloudbasierte Kommunikation initiiert. Genauso hat der Pumpenhersteller als Sub-Lieferant selbst auch wieder Sub-Lieferanten und dieses Ökosystem bauen wir für unsere Kunden auf, um digitale Transformation als ganzheitlicher Prozess voranzubringen“, erklärte Dangl.

Die Stichworte Mehrwert und Gestalten der Außenbeziehungen griff Peter Trawnicek, Country Manager VMware auf: „Das sind Kernelemente der digitalen Transformation und Unternehmen müssen dafür ein neues Verständnis entwickeln. Denn es macht einen Unterschied, ob ich Videokassetten liefere oder am Abend Entertainment biete: In einem Fall eröffne ich Shops, im anderen mache ich daraus Netflix.“ Der Großteil der Kunden beginne nicht auf der grünen Wiese, sondern müsse erhaltenswertes Altes mit der neuen Welt bzw. einer neuen Idee verbinden. Das ist ein Weg, der nie fertig ist, daher brauche es die geeignete Plattform, führte er aus: „Es ist uns wichtig, den Kunden Entscheidungsfreiheit zu geben, wo sie welche Anwendungen laufen lassen. Digitale Transformation heißt auch Globalisierung, die Welt ist der Markt. Aber indem ich mich als Unternehmen öffne, um Lieferanten und Kunden zu integrieren, eröffne ich auch ein potenzielles Eingangstor für Schadsoftware. Wir sehen uns als Enabler, der eine sichere Umgebung zur Verfügung stellt.“

Foto: NetApp Peter Hermann, NetApp: „Als Unternehmen sollten Sie neugierig bleiben und Fachkräften ermöglichen, auf sichere Art etwas auszuprobieren, denn diese haben viel Know-how und können zum Innovationsmotor werden. Dabei muss die sichere und einfache Datennutzung im Fokus stehen.“ Auf die Daten schauen

Den Aspekt Sicherheit betonte auch Peter Hermann, Geschäftsführer NetApp Österreich: „Nehmen wir das Beispiel Home-Office: Die Menschen müssen von überall auf ihre Daten zugreifen können und das muss sicher sein. Ebenso wichtig ist, dass Unternehmen ihrer Belegschaft geeignete Tools für den Umgang mit Daten zur Verfügung stellen, um aus den Daten einen echten Mehrwert z.B. für neue Geschäftsmodelle zu schaffen. Sonst entsteht nicht nur eine riesige Menge ungenutzter Daten, sondern eine Schatten-IT mit allen Security-Risiken. Daher machen wir das Datenmanagement für Unternehmen einfach: Sie können immer dasselbe System nutzen, egal ob ihre Daten bei einem österreichischen oder internationalen Daten-Provider oder Cloud-Anbieter sind.“ Digitalisieren bedeute auch, dass Datenmengen explodieren, und das sei ein Thema im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Denn laut Schätzungen soll im Jahr 2030 die IT für acht Prozent des weltweiten Gesamtenergieverbrauchs verantwortlich sein, davon würden 38 Prozent Datenspeicherung ausmachen. Der Energieverbrauch der Kühlanlagen in Rechenzentren sei enorm. „Energie-Optimierung ist daher bei uns ein großer Fokus. Im Schnitt werden nur 32 Prozent aller Daten, die erstellt werden, jemals wieder angeschaut. Denken Sie nur an eigene Powerpoint-Präsentationen oder Urlaubsfotos, da kann man viel einsparen“, sagte Hermann.

Daten hatte ebenfalls Torsten Priebe, Forschungsleiter Data Intelligence an der FH St. Pölten, auf der Agenda: „Zum Beispiel der nicht verwendeten Daten möchte ich aus unseren Studiengängen an der FH etwas beitragen. Viele Studierende erwarten sich KI-Entwicklung und Algorithmen, aber 60 bis 80 Prozent der Arbeit geht in die Datenaufbereitung und -bereinigung. Es ist uns daher wichtig, den Studierenden die Bedeutung von Data Governance mitzugeben.“ Datenkompetenz würde im Zeitalter der Datendemokratisierung jeder benötigen, führte er weiter aus: „Daten sind das neue Violett. Das war früher eine königliche Farbe, weil sie teuer zu produzieren war – bis jemand eine synthetische Erzeugung fand. Da ist für mich die Parallele: Früher standen die Daten unter IT-Hoheit, heute besitzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Daten.“ Priebe bestätigte, dass Datenhaltung und -verarbeitung zweifellos viel Energie brauche, seine Forschung verfolge daher die Frage, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammenspielen können. So arbeite man am Projekt einer Energiegemeinschaft, wo Nachbarn, die Photovoltaikanlagen betreiben, den Stromverbrauch gemeinsam lokal optimieren, anstatt über den Netzbetreiber zu gehen.

Foto: Christian Dusek Thomas Steirer, Nagarro: „Organisationen sollten über ihr Tagesgeschäft hinausdenken. Der Werkzeugkasten wird immer größer, aber was kann ich damit anfangen, was sind meine Ziele? Ich empfehle einen pragmatisch-realistischen Ansatz.“ Digitale Transformation bedeutete für Thomas Steirer, CTO Nagarro, eine kontinuierliche Weiterentwicklung, um Mehrwert zu generieren: „Um auf der strategischen Ebene zu entscheiden, welche Prozesse man mit welchen Technologien angreifen soll, ist eine Außenperspektive hilfreich, daher beraten wir die Kunden als Digitalisierungspartner.“ Erfahrung sammelt Nagarro bei zahlreichen Kundenprojekten und eigenen Forschungen, etwa im Bereich Testung und AI mit einem spannenden Ergebnis, so Steirer weiter: „Wir hatten uns neun Themen vorgenommen und kamen darauf, dass wir nur für drei Themen eine KI brauchen, die anderen waren klassisch mit Algorithmen einfach lösbar. Das bestätigt unsere Strategie des enthusiastischen Pragmatismus: Use Cases schnell erproben, was funktioniert und was nicht, und dann entsprechend skalieren. Wichtig ist mir auch: Veränderungsprozesse haben mit Menschen zu tun. Wir beschäftigen uns viel damit, sie abzuholen und zu begleiten, denn nur so kann Transformation organisatorisch nachhaltig sein und Bestand haben.“ Mit diesem Vorgehen könnten die Kunden von den umfassenden Erfahrungen profitieren.

Alt und neu ausbalancieren

Transformation bedeutet Veränderung für die Unternehmen, d.h. die dort arbeitenden Menschen. Wie geht es KMU damit, die hierzulande mit 98% der Unternehmen das Rückgrat der Wirtschaft stellen? Darüber berichtete Strategieprofessorin Ann-Christine Schulz von der FH Wien aus ihrem aktuellen, von der Stadt Wien geförderten Forschungsprojekt „Organisationale Ambidextrie in KMU“: „Unternehmen müssen sich verändern und wir forschen zu Fragen wie: Mit welchen Herausforderungen sind sie konfrontiert, wie kommen sie gut durch die digitale Transformation? Bei Ambidextrie geht es um das Ausbalancieren. Zum einen müssen KMU lernen, bestehende Kernprozesse besser zu machen, um effizienter zu werden – das ist exploitativ. Den Gewinn daraus können sie dann investieren, um neue, kreative Geschäftsmodelle zu starten – das ist explorativ.“ So könne ein Unternehmen aus der Automobilbranche nicht sofort auf E-Mobilität umsteigen, sondern müsse zuerst bestehende Kosten minimieren. Führungskräfte haben die Aufgabe, diese zwei organisationalen Fähigkeiten auszubalancieren und das findet schon statt, bestätigte Schulz: „Wir können sehen, dass KMU beginnen, neue Geschäftsbereiche aufzubauen oder bestimmte Mitarbeitende freistellen, damit sie kreativer sein können.“

Foto: VMware Peter Trawnicek, VMware: „Un- ternehmen müssen sich ihrer eigenen Stärken bewusst sein, eine Kultur pflegen, diese Stärken zu entwickeln und den Mut zu Innovation haben. Die Technik dahinter ist dann sekundär, dafür gibt es eine große Industrie.“ „Ich bedanke mich für den Begriff der Ambidextrie, denn das erlebe ich bei unseren Kunden schon länger“, setzte Peter Trawnicek fort. „Für dieses Verbinden von Alt und Neu ist ein heimischer Spielautomatenhersteller ein gutes Beispiel, der international tätig ist. Heute liegt die Wertschöpfung nicht mehr bei Automaten in Casinos, sondern im Online-Game und die Herausforderungen für den Kunden sind vielfältig: von Innovation bei der Spielegestaltung über schnelles Skalieren erfolgreicher Spiele, genauso wie schnelles Abdrehen von Flops die nur Geld kosten, bis zur weltweiten Verrechnung und Kontrolle von einem Standort aus.“ Der einstmalige Automatenhersteller müsse lernen, sich als Spiele-Entertainer zu verstehen und dabei vieles neu denken. Dabei gehe es sowohl um technische Themen wie offene Plattformen, Lizenzen, Netzwerk, Skalierbarkeit, Security, als auch um Fachkräfte, die dieses neue Know-how haben sollten und um die Unternehmenskultur. „Wir haben in Österreich eine kleinstrukturierte Wirtschaft und gut 250 Weltmarktführer in ihren speziellen Nischen. Mit digitaler Transformation können sie ihre Position verstärken, das ist ein starker Enabler für den Wirtschaftsstandort. Bei der Ausbildung des Personals und bei Fördermodellen haben wir aber noch einen großen Schritt zu machen“, folgerte Trawnicek.

Im internationalen Vergleich sah Peter Hermann heimische Unternehmen zwar meist nicht als die allerersten; aber wenn sie Projekte beginnen, sei die Kurve beim Lernen und bei der Umsetzung steiler. So auch bei der digitalen Transformation. Diese brauche einen ganzheitlichen Ansatz, so wie Datensicherheit, führte Hermann aus: „Wichtig ist das Training der Mitarbeitenden, auch da gibt es eine beeindruckende Zahl: Wenn man einen USB-Stick mit der Aufschrift Urlaubsfotos irgendwo liegen lässt, nehmen den 80 Prozent der Beschäftigten und stecken ihn in einen Slot.“ Neben Security-Maßnahmen wie Antivirus oder Firewall sollte man auch auf Data Protection und Data Recovery inklusive der Sicherung von Daten mit einem Snapshot setzen. Diese Unveränderbarkeit von Daten sei bei NetApp auf bis zu 99 Jahre einstellbar. So könnten Unternehmen, die gehackt werden, schnell wieder betriebsfähig sein. „Opfer von Cybercrime sind auch große IT-Firmen geworden. Es stellt sich daher nicht die Frage, ob man gehackt wird, sondern wann“, warnte Hermann. Zur Cyber-Resilienz gehöre daher zu wissen, was im Angriffsfall zu tun ist, um den Schaden zu minimieren, etwa mit einer Recovery-Garantie.

Foto: Fabasoft Approve Andreas Dangl, Fabasoft Approve: „Ich beauftrage einmal Digitale Transformation als Fixpreisprojekt – das funktioniert nicht. Der Schlüssel liegt darin, Agilität zu leben, inklusive der Integration aller Stakeholder.“ Wie geht Transformation?

Wie man große Transformationsvorhaben im Unternehmen angeht, beschrieb Andreas Dangl: „Ich brauche eine Vision und dazu eine Architektur: Wie werden meine Prozesse digital, damit ich meine Vision erreichen kann? Das erfordert Ressourcen, aber intern sind alle im Tagesgeschäft verplant. Daher sollten Organisationen, die etwas bewirken wollen, sich externe Unterstützung für Projektmanagement holen.“ Empfehlenswert sei, Teilaspekte als agile Projekte umzusetzen, in kurzen Zeiteinheiten mit Meilensteinen von zwei bis drei Wochen. Als Ergebnis sollte ein Use Case entstanden sein, der von allen Beteiligten bereits genutzt werden kann. So könne inkrementell vorgegangen werden, denn Marktbedingungen ändern sich schnell. Außerdem könne man so prüfen, ob dies ins Gesamtsystem passt. Dangl empfahl außerdem: „Wesentlich ist ein Top-Down-Konzept. Dabei sollte die Strategie der Unternehmensführung nicht nur Ziele haben wie Kosten reduzieren oder Sicherheit erhöhen – das sind Grundfaktoren, aber um zu transformieren muss ich wissen, wo ich mein Unternehmen in fünf bis zehn Jahren sehe.“

Die Rolle von Künstlicher Intelligenz bei Transformationsvorhaben beschrieb Thomas Steirer: „Oft hört man den Satz: Wir müssen was mit KI machen. Es ist schon gut, KI-Tools auszuprobieren, aber das ist kein strategischer Zugang, um Mehrwert zu generieren. Ich muss einen Innovationsprozess starten mit Fragen wie: Was sind Dinge, die ich immer schon tun wollte?“ Zu neuen Ideen in Österreich beitragen möchte Nagarro mit der Innovations-Challenge. Unter den Gewinnern war heuer die Wiener Städtische, die Polizzen für Laien verständlich lesbar machen wolle. Das Potential von Ideen müsse man individuell bewerten: Für einen Kunden aus der Baubranche sei ein Chatbot nicht die erste Wahl; zielführender sei Wissensmanagement, um Informationen in der Unzahl von Aufträgen und Verträgen zu finden. Auch Qualität sei zu bewerten, betonte Steirer: „Wie lernen Unternehmen mit der Unschärfe, die mit neuen KI-Lösungen hereinkommt, umzugehen? Von einer Software erwarten wir exakte Ergebnisse, aber diese Prämisse hält plötzlich nicht mehr und Ergebnisse sind nicht immer reproduzierbar. Wie vermeide ich Missbrauch, wenn ich mein Softwaresystem plötzlich sprachlich austricksen kann? KI-Werkzeuge ticken ein bisschen anders als die Werkzeuge, die wir vorher hatten. Es ist ein riesiger Hype mit Erwartungen und Sorgen – dies zu entmystifizieren sehe ich als wichtig an.“

Foto: FH Wien Ann-Christine Schulz, FH Wien: „KMU brauchen zwei organisationale Fähigkeiten und diese sollten Führungskräfte ausbalancieren: Sie müssen lernen, das Bestehende noch besser zu tun und den Gewinn daraus verwenden, um neue Geschäftsmodelle anzugehen.“ Viele Fragen rund um KI

Das Problem, dass eine KI-Vorschläge macht, aber man nicht weiß, wie diese zustande kommen, bestätigte Torsten Priebe: „Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen ist für uns ein wichtiges Forschungsfeld, weil das für kleinere Unternehmen eine große Herausforderung ist. Ihnen fehlt das Vertrauen, KI einzusetzen, weil diese oft nicht transparent ist.“ Es gäbe verschiedene Ansätze, so werden etwa Entscheidungsbäume für eine bessere Erklärbarkeit genutzt, weil die von Menschen nachvollziehbar seien. In einem Forschungsprojekt werde dies mit einem zweiten Problem kombiniert, nämlich mit der Datenverfügbarkeit: Ein produzierendes Unternehmen möchte die Qualitätskontrolle mit KI machen, verfügt aber über wenig Trainingsdaten für fehlerhafte Produkte. Hier arbeite man mit sog. gelabelten Daten, wo das System bei einem unklaren Fall bei einem Menschen rückfragt und die Erklärung gleich mitgeliefert wird. Das Resümee von Priebe: „Mein Rat an Unternehmen: Kümmern Sie sich um Ihre Daten, die sind der Schlüssel. Haben Sie keine Angst vor Technologie, auch nicht vor KI, aber identifizieren Sie zuerst das Problem und dann erst die Lösung.“

Auf die Herausforderungen für KMU und die Unsicherheiten bezüglich KI kam Ann-Christine Schulz zu sprechen und zitierte dabei aus ihren Studien: „KMU beschäftigen im Zusammenhang mit digitaler Transformation die Veränderungen im Wettbewerb, Erwartungen von Kunden, Konzentrationstendenzen, aber auch neue Technologien und benötigte neue Kompetenzen. Führungskräfte beobachten aktiv die Entwicklung von KI, sie überlegen, wie sie diese einsetzen können aber nehmen sie auch als Bubble wahr.“ Es gäbe auch realistische Ängste, denn KI werde ja bereits eingesetzt, in unterschiedlichem Maße. Manche Branchen oder Geschäftsmodelle geraten unter disruptiven Druck, etwa in der Logistik: Da gäbe es viele heimische Nischenanbieter mit internationalen Spezialtransporten und die wüssten, dass Amazon ein riesiges Logistik-Netzwerk aufgebaut hat. Schulz empfiehlt KMU daher, Technologie und Marktumfeld weiter zu beobachten, sowie das Neue im Unternehmen zu kultivieren, zu entwickeln und dabei auszubalancieren: „Digitale Transformation ist ein strategisches Thema. Der Ball liegt bei den Führungskräften, nämlich Ziele für die Organisation zu formulieren und konkrete Umsetzungsmaßnahmen zu entwickeln.“


Die Teilnehmer:innen

Andreas Dangl ist Entrepreneur und Geschäftsführer von Fabasoft Approve. Der Spezialist für das Managen technischer Daten und Dokumente unterstützt die Prozesse von Industriekunden. 

Peter Hermann ist Geschäftsführer von NetApp Österreich mit langjähriger Erfahrung in der IT. Datenmanagement, sicherer Zugriff von überall und Cyber-Resilienz stehen im Zentrum der Projekte.

Torsten Priebe von der FH St.Pölten ist Professor für Big Data Analytics und leitet die Forschungsgruppe Data Intelligence mit Themen wie Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz.

Ann-Christine Schulz ist Professorin an der FH Wien, Institute for Digital Transformation and Strategy. Sie forscht daran, wie Unternehmen auf Veränderungen reagieren können, mit Fokus auf KMIU.

Thomas Steirer ist CTO bei Nagarro, verantwortet auch den Qualitätsbereich und forscht zu KI. Als passionierter Techie begleitet er Unternehmen lokal und global bei ihrer Weiterentwicklung.

Peter Trawnicek ist Country Manager Österreich bei VMware. Mit der Kombination bestehender und neuer Technologien möchte er Organisationen fit für aktuelle Herausforderungen machen.

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