Der Datenverkehr von KI-Systemen entwickelt sich zu einer eigenständigen Größe im Internet. Neue Forschungsergebnisse von Fastly zeigen, dass KI-generierter Traffic zwischen Januar und Mai 2026 rund 6,5-mal schneller gewachsen ist als menschlicher Traffic. Für Unternehmen entstehen daraus neue Herausforderungen bei Infrastruktur, Sicherheit und digitaler Sichtbarkeit.
Foto: Fastly
Artur Bergman, Founder und Chief Technology Officer von Fastly
Die zunehmende Verbreitung von KI-Assistenten, Agenten und automatisierten Systemen verändert die Dynamik des Internets grundlegend. Das geht aus aktuellen Forschungsergebnissen der Edge-Cloud-Plattform Fastly hervor. Demnach wächst KI-generierter Datenverkehr nicht nur deutlich schneller als klassische Nutzeranfragen, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem eigenständigen Faktor für Infrastrukturplanung und Geschäftsstrategien.
Die Analyse basiert auf Daten aus Fastlys globalem Netzwerk. Zwischen Januar und Mai 2026 nahm der KI-Traffic dort um rund 30 Prozent zu. Damit wuchs er etwa 6,5-mal schneller als der menschliche Datenverkehr im gleichen Zeitraum. Aus Sicht des Unternehmens liegt die eigentliche Veränderung jedoch nicht allein im Wachstum des Volumens, sondern in der Art und Weise, wie KI-Systeme mit digitalen Infrastrukturen interagieren.
Der KI-Traffic auf Fastlys Netzwerk wuchs zwischen Januar und Mai 2026 um rund 30 Prozent, wobei der gleitende 30-Tage-Durchschnitt Ende Mai etwa 30 Prozent über dem Januar-Ausgangswert lag. (Foto: Fastly)
Für Unternehmen bedeutet dies laut Fastly einen grundlegenden Perspektivwechsel. Während bisher vor allem die Abwehr schädlicher Bots im Mittelpunkt stand, gewinnt die Frage an Bedeutung, welchen geschäftlichen Nutzen automatisierte Interaktionen erzeugen können und wie sich diese gezielt steuern lassen.
Die Studie identifiziert mehrere Entwicklungen, die das Internet nachhaltig verändern könnten. Unternehmen treffen demnach zunehmend strategische Entscheidungen darüber, wie sie mit KI-Traffic umgehen. Dabei müssen sie zwischen Inhaltsschutz, Transparenz, Kundengewinnung und digitaler Distribution abwägen.
Diese Entscheidungen beeinflussen unmittelbar, ob KI-Systeme Inhalte entdecken, referenzieren oder in ihren Antworten ausspielen. Damit wächst auch der Einfluss auf die Frage, wie Kunden künftig Unternehmen finden und mit ihnen interagieren.
Gleichzeitig macht maschineller Datenverkehr inzwischen einen erheblichen Teil der Internetaktivität aus. Dazu zählen KI-Crawler, KI-Fetcher, Bots, Agenten sowie API-gesteuerte Systeme. Fastly beobachtet dabei eine zunehmende Vielfalt unterschiedlicher KI-Workloads mit jeweils eigenen Anforderungen an Infrastruktur und Performance.
Artur Bergman, Gründer und Chief Technology Officer von Fastly, erklärt:
„KI-Traffic verändert grundlegend, wie das Internet funktioniert. Unternehmen bewegen sich weg von einer Welt, in der Menschen die primären Nutzer digitaler Erlebnisse sind.“
Bergman sieht darin eine grundlegende Veränderung für Betreiber digitaler Plattformen.
„Die Herausforderung besteht nicht mehr nur darin, Bots zu blockieren. Es geht darum zu verstehen, welche maschinellen Interaktionen beschleunigt, verwaltet, hinterfragt oder gestoppt werden sollten."
Die Untersuchung unterscheidet zwischen zwei zentralen Formen von KI-Traffic. KI-Crawler sammeln systematisch Informationen aus dem Web, um KI-Modelle aufzubauen und aktuell zu halten. KI-Fetcher hingegen rufen Informationen als direkte Reaktion auf Nutzeranfragen über KI-Assistenten oder agentische Anwendungen ab.
Nach Angaben von Fastly unterscheiden sich beide Kategorien deutlich hinsichtlich ihres Verhaltens und ihrer Belastung für die Infrastruktur. Die Daten vom Mai 2026 zeigen, dass mehr als die Hälfte aller KI-Anfragen – konkret 51 Prozent – einen Zugriff auf den Origin-Server erfordern. Bei menschlichen Anfragen liegt dieser Anteil bei weniger als neun Prozent.
Diese Unterschiede haben direkte Auswirkungen auf Infrastruktur, Performance und Kosten. Unternehmen müssen deshalb zunehmend verstehen, welche Arten von KI-Systemen mit ihren digitalen Angeboten interagieren und welche Folgen dies für ihre Systeme hat.
Besonders dynamisch entwickelte sich laut Fastly der mit Claude verbundene Traffic. Dieser nahm gegenüber Januar 2026 um mehr als 555 Prozent zu.
Die Ergebnisse legen nahe, dass das Management von KI-Traffic längst nicht mehr nur eine technische oder sicherheitsrelevante Aufgabe ist. Vielmehr entwickelt es sich zu einer strategischen Fragestellung mit unmittelbaren Auswirkungen auf Sichtbarkeit, Reichweite und Kundeninteraktion.
Fastly beobachtet dabei unterschiedliche Herangehensweisen. In einem Fall reagierte ein großes Unternehmen mit einer vollständigen Blockade auf einen plötzlichen Anstieg von KI-Fetcher-Traffic, um die Kontrolle über die eigene inhaltliche Autorität zu behalten. Ein anderes Unternehmen entschied sich dagegen bewusst gegen eine Blockierung. Dort führte dies über mehrere Monate hinweg zu einem Anstieg des Fetcher-Volumens und potenziell zu einer höheren Sichtbarkeit in KI-gestützten Diensten.
Aus Sicht von Fastly hängen erfolgreiche Strategien künftig von drei Faktoren ab: Transparenz darüber, welche KI-Systeme mit digitalen Angeboten interagieren, Kontext über deren Verhalten und geschäftlichen Nutzen sowie die Fähigkeit, abhängig von Absicht und Auswirkungen präzise zu reagieren.