Die Zuversicht der globalen Unternehmensspitzen in die wirtschaftliche Entwicklung lässt deutlich nach. Dennoch rechnen die meisten CEOs weiterhin mit steigenden Umsätzen und Gewinnen. Investitionen werden neu priorisiert, Künstliche Intelligenz rückt ins Zentrum der Wettbewerbsstrategie – und Nordamerika bleibt das bevorzugte Ziel für neues Kapital.
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Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich
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Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin der Strategie- und Transaktionsberatung (Strategy and Transactions) bei EY Österreich
Die Vielzahl politischer und wirtschaftlicher Krisen hinterlässt Spuren in den Chefetagen. Während im September des Vorjahres noch 35 Prozent der CEOs von einer positiven Konjunkturentwicklung ausgingen, sind es im Jänner nur mehr 24 Prozent. Insgesamt sank der Anteil der Konjunkturoptimist:innen weltweit innerhalb von vier Monaten von 84 auf 68 Prozent. Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 1.200 CEOs, die zwischen Dezember 2025 und Jänner 2026 durchgeführt wurde.
Trotz dieses Stimmungsdämpfers bleibt der Blick auf das eigene Geschäft vergleichsweise zuversichtlich: 38 Prozent der Befragten zeigen sich sehr optimistisch hinsichtlich künftiger Umsätze, weitere 54 Prozent eher optimistisch. Auch bei der Profitabilität überwiegt weiterhin Zuversicht.
Ein wesentlicher Treiber dieses unternehmensbezogenen Optimismus ist Künstliche Intelligenz. Für 2026 gilt sie aus Sicht der CEOs als wichtigster Faktor, um wettbewerbsfähig zu bleiben – noch vor strengerem Kostenmanagement, Produktionsverlagerungen oder Kooperationen. Unternehmen setzen KI zunehmend als Antwort auf Fachkräftemangel ein und nutzen sie, um interne Abläufe sowie Forschung und Entwicklung zu beschleunigen.
Die bisherigen Erfahrungen fallen überwiegend positiv aus: 20 Prozent der CEOs berichten, dass der KI-Einsatz ihre Erwartungen deutlich übertroffen habe, weitere 58 Prozent sehen leichte Übererfüllungen. Lediglich drei Prozent sprechen von negativen Erfahrungen. Damit liegt der Anteil besonders positiver Rückmeldungen weltweit bei 78 Prozent; am zurückhaltendsten äußern sich CEOs in Südkorea mit 74 Prozent.
Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich, ordnet die Entwicklung so ein:
„Viele CEOs setzen darauf, dass der umfassende Einsatz von KI einerseits erhebliche Kostenvorteile bringt und andererseits die Geschwindigkeit beispielsweise in der Produktentwicklung deutlich erhöht. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei aber nicht allein die Technologie, sondern die Fähigkeit der Organisation, KI sinnvoll zu skalieren: mit den richtigen Kompetenzen, klaren Verantwortlichkeiten und einer Belegschaft, die den Wandel mitträgt.“
Zugleich dämpfen geopolitische Faktoren die Erwartungen. Reimoser betont:
„Künstliche Intelligenz allein ist aber nicht in der Lage, die Unsicherheiten auszugleichen, die durch die unbeständige Zoll- und Handelspolitik der USA entstehen.“
Trotzdem geben lediglich zwölf Prozent der befragten Unternehmen an, ihr geopolitisches Risikomanagement verbessern zu wollen.
Auf die politischen und konjunkturellen Turbulenzen reagieren viele Konzerne mit Anpassungen ihrer Investitionsplanung. Weltweit haben 83 Prozent der Unternehmen zuletzt Änderungen vorgenommen. Die Maßnahmen fallen unterschiedlich aus: 31 Prozent stoppten mindestens eine geplante Investition, 40 Prozent beschleunigten hingegen Vorhaben. Während 17 Prozent einen geografischen Markt verließen, investierten 22 Prozent erstmals in einem neuen Land oder einer neuen Region.
Reimoser sieht darin einen grundlegenden Strategiewechsel:
„Mehr denn je werden Investitionsentscheidungen derzeit zu einer Frage der Widerstandsfähigkeit. Geopolitische und handelspolitische Konflikte treffen einzelne Branchen sehr unterschiedlich, während gleichzeitig Lieferketten und Absatzmärkte grundlegend neu ausgerichtet werden. Unternehmen müssen daher trotz großen Handlungsdrucks umsichtig planen – denn fehlgeschlagene Investitionen in neue Märkte oder Technologien können erhebliche Verluste nach sich ziehen.“
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In China beschleunigen 60 Prozent der Unternehmen geplante Investitionen, in Japan 46 Prozent. Demgegenüber agieren Firmen in Deutschland (28 Prozent) und Frankreich (22 Prozent) deutlich zurückhaltender. Französische Unternehmen brechen besonders häufig Investitionen ab (48 Prozent), während dies in China nur 17 Prozent und in Japan 20 Prozent tun.
Parallel dazu steigt der Appetit auf Fusionen und Übernahmen. Weltweit planen aktuell 53 Prozent der Konzerne eine M&A-Transaktion – vor vier Monaten waren es noch 48 Prozent. Eva-Maria Berchtold, Leiterin EY-Parthenon Österreich, beschreibt die Lage so:
„Der M&A-Appetit nimmt wieder zu, und wir sehen auch in Österreich wieder mehrere bedeutende Transaktionen. Gleichzeitig bleibt der Markt selektiv und nicht alle geplanten Übernahmen kommen tatsächlich zustande. Stetig wechselnde geo- und handelspolitische Bedingungen sowie die damit verbundenen Unsicherheiten, ein komplexes regulatorisches Umfeld und eine schwache Konjunktur führen häufig zu Verzögerungen oder zum Abbruch vorgesehener Investitionen. Die Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd – selbst bei anhaltend hohem Transformationsdruck in den Unternehmen.“
Trotz aller Unsicherheiten richten viele CEOs ihren Blick weiterhin nach Nordamerika. 34 Prozent wollen in den kommenden zwölf Monaten in den USA investieren. Dahinter folgen Kanada und Deutschland mit jeweils 18 Prozent, gefolgt von Großbritannien (17 Prozent) und Indien (12 Prozent).
Mehr Details zu der Studie "EY-Parthenon CEO Outlook Survey" stehen Ihnen hier zur Verfügung.