Der aktuelle Bosch Tech Compass zeigt eine klare Verschiebung in der Wahrnehmung künstlicher Intelligenz: Weltweit halten 70 Prozent der Befragten KI für die einflussreichste Technologie der kommenden Jahre. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Entschleunigung. Besonders in Deutschland treffen hohe Erwartungen an KI auf ausgeprägte Skepsis gegenüber technologischem Fortschritt.
Die Abbidung zeigt ein KI basiertes Cockpit von Bosch (Quelle: Robert Bosch)
Das Zeitalter der künstlichen Intelligenz wird von einer Mehrheit der Menschen nicht mehr als abstrakte Zukunft, sondern als konkrete nächste Entwicklungsstufe gesehen. Das legt der diesjährige Bosch Tech Compass nahe, für den im Herbst 2025 mehr als 11.000 Personen in sieben Ländern befragt wurden. Die Ergebnisse zeichnen ein ambivalentes Bild: Während KI so positiv bewertet wird wie nie zuvor, äußert mehr als die Hälfte der Befragten den Wunsch, die technologische Entwicklung zumindest vorübergehend zu bremsen.
Quelle: Robert Bosch
Weltweit sehen 70 Prozent der Befragten künstliche Intelligenz als die Technologie mit dem größten Einfluss auf die Zukunft. Noch vor drei Jahren lag dieser Wert deutlich niedriger. Auch beim erwarteten positiven gesellschaftlichen Einfluss rangiert KI an erster Stelle: 43 Prozent trauen ihr den größten Nutzen zu, vor Biotechnologie (36 Prozent) und Climate Engineering (32 Prozent). Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich zudem grundsätzlich bereit für die Veränderungen, die mit dem Einsatz von KI einhergehen.
Gleichzeitig wird KI auch als Risiko wahrgenommen. 34 Prozent nennen sie als jene Technologie mit den potenziell größten negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft – häufiger als humanoide Roboter oder selbstfahrende Fahrzeuge. Diese Gleichzeitigkeit von Hoffnung und Sorge prägt die aktuelle Debatte rund um KI.
Quelle: Robert Bosch
Neben der wachsenden Bedeutung von KI zeigt der Tech Compass ein verbreitetes Bedürfnis nach Orientierung. 57 Prozent der Befragten weltweit wünschen sich einen „Pause-Knopf“ für die technologische Entwicklung, um deren Auswirkungen besser zu verstehen. Dieser Wunsch nach Entschleunigung steht im Kontrast zu einem insgesamt hohen Technologieoptimismus: Global glauben 71 Prozent, dass Technologie die Welt besser machen wird.
Als zentrale Anwendungsfelder für Innovation nennen die Befragten vor allem den Klimawandel (37 Prozent), den Zugang zu Gesundheitsleistungen (31 Prozent) sowie die Cybersicherheit (28 Prozent). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass technologische Entwicklung aus Sicht vieler Menschen stärker an gesellschaftlichen Herausforderungen ausgerichtet werden sollte.
Quelle: Robert Bosch
In Deutschland ist die Erwartungshaltung gegenüber KI besonders ausgeprägt. 77 Prozent der Befragten sehen sie als einflussreichste Technologie der kommenden zehn Jahre. Gleichzeitig fällt die wahrgenommene Vorbereitung auf das KI-Zeitalter vergleichsweise gering aus: Nur 40 Prozent fühlen sich darauf vorbereitet – der niedrigste Wert im Ländervergleich und unverändert zum Vorjahr.
Auch der grundsätzliche Technologieoptimismus ist hierzulande gedämpft. Lediglich 59 Prozent der deutschen Befragten glauben, dass Technologie die Welt besser machen wird. Nur in Frankreich ist der Wert mit 53 Prozent noch niedriger. Hinweise auf die Ursachen liefern weitere Ergebnisse: In Deutschland sagen lediglich 30 Prozent, das Bildungssystem habe innovatives Denken gefördert, und nur 23 Prozent sehen in der Regulierung einen innovationsfördernden Rahmen. In beiden Kategorien belegt Deutschland den letzten Platz.
Foto: Robert Bosch
Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH
Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, ordnet die Ergebnisse entsprechend ein:
„Die Ergebnisse des Bosch Tech Compass deuten darauf hin, dass wir in Deutschland die gesellschaftliche Akzeptanz für Innovationen steigern müssen.“
Wie stark Innovationsbereitschaft auch kulturell geprägt ist, zeigt der Blick auf unternehmerisches Risiko. Weltweit würden 59 Prozent der Befragten ihr Kind ermutigen, eine Hochschule zu überspringen und ein Start-up zu gründen, wenn eine bahnbrechende Idee vorliegt. In Deutschland teilen diesen Mut nur 52 Prozent.
Foto: Robert Bosch
Tanja Rückert, Mitglied der Geschäftsführung und Chief Digital Officer von Bosch
Tanja Rückert, Mitglied der Geschäftsführung und Chief Digital Officer von Bosch, verweist auf die Dynamik der Entwicklung:
„Wir sehen weltweit eine rasch wachsende Zahl innovativer KI-Lösungen, wie wir sie uns vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen konnten. Daher ist es nicht überraschend, dass die Zahl der Menschen, die KI als die einflussreichste Technologie unserer Zukunft sehen, in nur drei Jahren weltweit von 41 Prozent auf 70 Prozent in die Höhe geschnellt ist.“
Der Bosch Tech Compass macht damit deutlich, dass technologische Führungsansprüche, gesellschaftliche Akzeptanz und individuelle Bereitschaft auseinanderdriften können. Gerade für technologiegetriebene Volkswirtschaften wie Deutschland stellt sich zunehmend die Frage, wie Innovationsfähigkeit nicht nur technisch, sondern auch kulturell und institutionell gestärkt werden kann.