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NAVAX

„Kunden stürzen sich auf Automatisierung“

Oliver Krizek, CEO und Eigentümer der NAVAX Unternehmensgruppe, im Gespräch.

Foto: Schedl Oliver Oliver Krizek, CEO und Eigentümer der NAVAX Unternehmensgruppe Seit 25 Jahren betreut NAVAX Softwareprojekte in den Bereichen ERP, CX (CRM), BI, Collaboration,Mobility, Cloud, Digitalisierungsberatung und Individualentwicklungen. Das von langer Hand geplante Interview zum Firmenjubiläum mit CEO und Eigentümer Oliver Krizek musste – ebenso wie die Jubiläumsfeier des Unternehmens – aufgrund der von der Bundesregierung verordneten Maßnahmen kurzfristig reorganisiert werden. Wie der IT-Dienstleister rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an acht Standorten in zwei Ländern durch die Coronakrise führt, erklärt Oliver Krizek im Gespräch.

It&t business: Herr Krizek, wie geht es NAVAX in der Krise?

Deutlich besser als erwartet. Wir fahren auf Sicht, wir wissen noch nicht, ob der Nebel dichter wird oder sich lichtet. Jeder Tag, jede Woche, jeden Monat könnte neue Herausforderungen bringen. Aber ich vergleiche das gern mit den Olympischen Spielen: Wir haben uns (anders als bei Olympia) zwar unbewusst aber doch darauf vorbereitet. Generell arbeiten wir schon immer viel verteilt via VPN von zuhause, das heißt, die Grundvoraussetzungen für Homeoffice im großen Stil waren vorhanden. Die meisten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen bereits seit mehreren Jahren ein Notebook und Smartphone zur Verfügung gestellt. Damit wollen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine möglichst große Flexibilität geben, um von zuhause und unterwegs zu arbeiten. Das einzige, bei dem wir noch nachschärfen mussten, war das Thema VPN. Wir haben noch vor dem Lockdown einen „Homeoffice-Probetag“ veranstaltet und haben erkannt, dass der VPN-Zugang das Bottleneck ist. Seitdem wir die Bandbreiten erhöht haben, funktioniert das Remote Working problemlos – auch mit unseren Kunden.

Wie gestaltet sich das Arbeiten im Home Office?

Das Arbeiten im Homeoffice klappt grundsätzlich sehr gut. Wir haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebeten, Fotos von ihren Arbeitsplätzen zu schicken. So konnten wir, wo es nötig war, Optimierungen vornehmen. Darüber hinaus haben wir einen internen Support eingerichtet, der sich darum kümmert, wenn jemandem ein Headset oder der Rechner kaputt geht. Ich fahre teilweise selber die Ersatzgeräte aus.

Neben der Hardware braucht es natürlich auch ein entsprechendes Aufzeichnungs- und Kontrollsystem für die Erfassung der Zeiten. Eine Auswertungsfunktion schlägt Alarm, wenn gewisse Grenzwerte über- oder unterschritten werden. Was sich jetzt schon sagen lässt: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren in der ersten Zeit im Homeoffice produktiver als im Büro.

Wir machen uns natürlich auch schon Gedanken über eine mögliche „Wiederbesiedlung“ unserer Büros. Da geht es vorrangig um Themen abseits der Technologie, etwa, dass ich jemandem, der jetzt auf 45 Quadratmetern lebt und arbeitet, früher wieder ermögliche, ins Office zurückzukommen.

Wo gibt es Probleme?

Auf Sicht ist die Frage natürlich, wann kippt so ein System? Die jetzige Situation ist sicher keine Dauerlösung. Die erste Woche ist ok, in der siebten beginnt bereits bei dem einen oder anderen der Lagerkoller. Das ist auch von Mitarbeiter zu Mitarbeiter, von Wohnsituation zu Wohnsituation ganz unterschiedlich. Auch darauf gilt es Rücksicht zu nehmen und sich in die jeweiligen Lebenssituationen hineinzuversetzen und die besten Lösungen zu finden.

Welche Themen ergeben sich bei der Unternehmens-/Mitarbeiterführung?

Wir haben grundsätzlich sehr bald, schon weit vor dem Lockdown, begonnen, das Thema Corona im Unternehmen zu thematisieren. Von der Geschäftsführung gibt es jeden Tag ein Memo oder eine Videobotschaft zur aktuellen Situation. Ein Eckpfeiler ist, dass sich die interne Kommunikation intensivieren muss. Gerade das informelle Gespräch, über das häufig viel läuft, fällt ja jetzt fast zur Gänze weg. Das Management muss auf die Leute zugehen, gezielt fragen: „Wie geht es dir? Gibt es irgendwelche Probleme?“. Ein Format, das wir jetzt eingeführt haben, ist „CHAT with ME”, in denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – auch anonym – Fragen an mich stellen und Anregungen abgeben können. Ich bin live via Video zu sehen und beantworte alle Fragen – ganz ohne Auffangnetz, denn mir ist transparente und ehrliche Kommunikation ganz wichtig. Das Format wird sehr gut angenommen, ist aber auch sehr intensiv.

Ein weiteres neues Format, das sich großer Beliebtheit erfreut, ist unsere virtuelle Lounge. Dabei haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jederzeit die Möglichkeit, sich in einen 24 Stunden Termin einzuwählen, um sich mit Kolleginnen und Kollegen virtuell zu treffen und auszutauschen.

Haben Sie Einblick in die Situation bei ihren Kunden?

Unsere Kunden leiden jetzt teilweise unter der fehlenden Infrastruktur. Vor der Corona-Krise war es bei vielen kein Thema, in die Ausstattung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren. Das kommt nun retour.

Manche Kunden lösen jetzt aber auch die Handbremse bei der Digitalisierung. Sie merken, dass sie nun noch schneller digitalisieren müssen. Ein Beispiel sind Finanzierungs-/Leasinganbieter: Ein kleiner Markt, der sich jetzt aber voll in die Automatisierung stürzt. Die Branche erleidet aktuell zwar einen Rückgang, aber sobald die Wirtschaft wieder anspringt, erwarten wir, dass das Investitionsgüterleasing sprunghaft ansteigen wird.

Als NAVAX haben wir ein Riesenglück, dass wir in diesen Branchen so gut aufgestellt sind. Wir blicken mit gemischten Gefühlen aber derzeit noch immer durchaus positiv in die Zukunft und stellen auch weiterhin neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein.

it&t business medien OG
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