Künstliche Intelligenz etabliert sich im österreichischen Mittelstand zunehmend als fixer Bestandteil der Digitalisierung. Eine aktuelle Umfrage zeigt steigende Nutzung, wachsende Budgets – aber auch strukturelle Hürden.
Foto: Martina Siebenhandl
Sandra Trummer-Gabler, Geschäftsführerin von world4you
Die digitale Transformation hat sich in Österreichs Unternehmenslandschaft von einer optionalen Entwicklung zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor gewandelt. Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag von world4you zeigt, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen verstärkt auf digitale Technologien setzen – allen voran auf Künstliche Intelligenz.
Künstliche Intelligenz ist im betrieblichen Alltag vieler Unternehmen angekommen. Laut der Erhebung nutzen bereits 38 Prozent der befragten Betriebe aktiv entsprechende Anwendungen. Ein signifikanter Anteil setzt KI zudem regelmäßig ein: 35 Prozent greifen mehrmals monatlich darauf zurück, 21 Prozent sogar mehrmals pro Woche.
Parallel dazu konkretisieren sich die Investitionspläne. 35 Prozent der Unternehmen geben an, für das Jahr 2026 ein fixes Budget für KI vorgesehen zu haben. Damit entwickelt sich die Technologie vom experimentellen Einsatzfeld hin zu einem planbaren Bestandteil der IT- und Geschäftsstrategie.
„KI ist in Österreich kein Zukunftsszenario mehr, sondern Realität. Dass bereits mehr als jeder dritte Betrieb entsprechende Anwendungen nutzt und ein ähnlich hoher Anteil gezielte Investitionen plant, ist ein starkes Signal“,
ordnet Sandra Trummer-Gabler, Geschäftsführerin von world4you, die Entwicklung ein. Die Herausforderung bestehe nun darin, den Zugang zu entsprechenden Technologien auch für kleinere Unternehmen zu erleichtern.
Neben KI setzen österreichische Unternehmen klare Schwerpunkte bei ihren Digitalinvestitionen. An erster Stelle steht die Verbesserung der Online-Sichtbarkeit: 38 Prozent planen Investitionen in Websites, Social Media und Online-Marketing.
Darauf folgen gleichauf Maßnahmen zur IT-Sicherheit sowie die Implementierung von KI-Lösungen mit jeweils 35 Prozent. Auch Cloud-Technologien bleiben relevant: 27 Prozent der Unternehmen sehen darin einen zentralen Baustein ihrer digitalen Strategie.
Die Studie zeigt zudem, dass grundlegende digitale Infrastruktur bereits weit verbreitet ist. Eigene Websites (71 Prozent) und professionelle E-Mail-Lösungen (61 Prozent) gelten als Standard. Digitale Office-Plattformen wie Microsoft 365 oder Google Workspace werden von 52 Prozent genutzt. Dennoch bietet bislang nur rund jedes dritte Unternehmen seine Leistungen aktiv über digitale Vertriebskanäle an.
Trotz wachsender Investitionsbereitschaft sehen sich viele Betriebe mit strukturellen Hindernissen konfrontiert. Als größte Herausforderungen nennen die Befragten Zeitmangel (48 Prozent), hohe Investitionskosten (49 Prozent) sowie bürokratische Hürden (51 Prozent).
Besonders ausgeprägt ist der Zeitdruck bei Kleinstunternehmen: Hier geben 54 Prozent an, dass im Tagesgeschäft kaum Ressourcen für Digitalisierungsprojekte bleiben. Die Folge ist, dass strategische Initiativen häufig verzögert oder gar nicht umgesetzt werden.
„Gerade bei kleinen Betrieben fehlt es oft nicht am Willen, sondern an finanziellen Mitteln und verfügbarer Zeit.“
Vor diesem Hintergrund bleibt auch der digitale Vertrieb hinter den Möglichkeiten zurück. Nur 30 Prozent der Unternehmen betreiben derzeit einen eigenen Webshop. Viele Betriebe verschieben entsprechende Projekte zugunsten operativer Anforderungen.
Trotz dieser Herausforderungen zeigt die Studie insgesamt einen klaren Trend: Die Bedeutung digitaler Technologien wächst weiter, und insbesondere KI wird zunehmend als strategischer Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich gesehen.