Als erste europäische Bankengruppe pilotiert die Erste Group den kommerziellen Einsatz verschränkungsbasierter Quantenverschlüsselung für kritische Finanzinfrastrukturen. In Kooperation mit A1 und dem österreichischen Deeptech-Unternehmen zerothird wurde die Technologie erfolgreich in den laufenden Betrieb integriert. Das Projekt markiert einen technologischen Meilenstein für die Absicherung sensibler Finanzdaten im Post-Quanten-Zeitalter.
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Das Innenleben eines eQKD-Gerätes von zerothird: Hier entstehen verschränkte Photonen, die quantensichere Verschlüsselung ermöglichen.
Die Absicherung digitaler Finanzströme zählt zu den zentralen Herausforderungen moderner Bankeninfrastrukturen. Mit dem rasanten Fortschritt der Quantenforschung geraten bestehende kryptografische Verfahren zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund hat die Erste Group gemeinsam mit dem Technologieanbieter zerothird und dem Telekommunikationsunternehmen A1 einen neuen Ansatz in den Realbetrieb überführt. In einem Pilotprojekt in Wien wurde erstmals eine kommerzielle Quanten-Sicherheitslösung erfolgreich in die bestehende Glasfaser-Infrastruktur einer Bank integriert.
Kern des Pilotprojekts ist der Einsatz verschränkungsbasierter Quantenverschlüsselung, auch bekannt als Entangled Quantum-Key-Distribution (eQKD). Diese Technologie ermöglicht die Verteilung von kryptografischen Schlüsseln auf Basis quantenphysikalischer Prinzipien und gilt als grundsätzlich abhörsicher. Die eingesetzte Lösung basiert auf österreichischer Nobelpreisforschung und wurde im Rahmen des Projekts erstmals unter realen Betriebsbedingungen getestet.
Die erfolgreiche Integration in die bestehende Infrastruktur der Erste Group belegt laut Projektpartnern die industrielle Reife der Technologie. Die Lösung lief im Pilotbetrieb stabil und ermöglichte die zuverlässige Ver- und Entschlüsselung sensibler Daten innerhalb einer kritischen Bankumgebung.
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Peter Bosek, CEO der Erste Group
„Europa und Österreich sollten ihr Potenzial nicht unterschätzen. Gemeinsam mit A1 und zerothird zeigen wir, was erreicht werden kann. Wir bereiten unsere Infrastruktur für die Ära der Quantenkommunikation vor, eine Ära, in der klassische digitale Verschlüsselung keinen ausreichenden Schutz mehr bieten wird. Damit setzen wir führende österreichische Forschung in praktische und zukunftsorientierte Anwendung um“,
sagt Peter Bosek, CEO der Erste Group.
Herkömmliche Verschlüsselungsverfahren beruhen auf mathematischen Problemen, die für klassische Computer nur mit erheblichem Rechenaufwand lösbar sind. Quantencomputer hingegen werden diese Probleme voraussichtlich in sehr kurzer Zeit lösen können. Auch wenn leistungsfähige Quantencomputer derzeit noch überwiegend in Forschungslaboren existieren, gilt ihr kommerzieller Durchbruch als absehbar.
Für Betreiber kritischer Infrastrukturen ergibt sich daraus ein strukturelles Risiko. Daten, die heute verschlüsselt übertragen und gespeichert werden, könnten künftig nachträglich entschlüsselt werden. Der Aufbau quantensicherer Kommunikationsnetze wird daher zunehmend als langfristige Vorsorgemaßnahme verstanden.
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Maurizio Poletto, Chief Platform Officer und COO der Erste Group
„Vertrauen ist die stärkste Währung im Bankwesen. Da Quantentechnologien die Regeln der Cybersicherheit neu schreiben werden, handeln wir jetzt, indem wir quantensichere Kommunikation pilotieren und uns auf die Post-Quanten-Verschlüsselung vorbereiten. Unsere Mission ist klar: Wir schützen die Daten unserer Kundinnen und Kunden mit Sicherheitsmaßnahmen, die nicht nur für heute, sondern auch für die Zukunft ausgelegt sind“,
erklärt Maurizio Poletto, COO & CPO der Erste Group.
Ein entscheidender Faktor für den Einsatz von Quantenverschlüsselung ist die zugrunde liegende Netzinfrastruktur. Die eQKD-Lösung von zerothird wurde im Pilotprojekt direkt in die Glasfasernetze integriert, die von A1 betrieben werden. Bankenumgebungen gelten aufgrund ihrer Komplexität und hohen Sicherheitsanforderungen als besonders anspruchsvoll.
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Alejandro Plater, A1 Group CEO
„Quantenverschlüsselung als nächste Stufe digitaler Kommunikation erfordert eine Infrastruktur, die Resilienz und Zukunftsfähigkeit vereint. Bankenumgebungen zählen aufgrund ihrer Komplexität und kompromisslosen Sicherheitsvorgaben zu den anspruchsvollsten Anwendungsfeldern. Gemeinsam mit der Erste Group und zerothird legen wir den Grundstein für die nächste Generation vertrauenswürdiger Datenübertragung“,
sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group.
Die erfolgreiche Umsetzung im Pilotbetrieb zeigt, dass quantensichere Kommunikation nicht auf isolierte Testumgebungen beschränkt bleiben muss, sondern in bestehende Telekommunikationsnetze integrierbar ist.
Aufbauend auf den Ergebnissen des Wiener Pilotprojekts plant die Erste Group eine schrittweise Aufrüstung ihrer internationalen Bankeninfrastruktur mit quantensicheren Lösungen. Im Rahmen des von zerothird geleiteten Projekts QUAPITAL, an dem sich auch die Europäische Union beteiligt, wird ein weiteres ambitioniertes Ziel verfolgt: der Aufbau einer quantensicheren Verbindung zwischen den Finanzplätzen Wien und Frankfurt.
Die Distanz zwischen den beiden Standorten gilt aufgrund physikalischer Signaldämpfung in Glasfasern als besondere Herausforderung für die Quantum-Key-Distribution. Gelingt die Umsetzung, wäre dies ein bedeutender Schritt für den Aufbau großräumiger Quantennetzwerke in Europa.
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Felix Tiefenbacher, CEO von zerothird
„Was wir hier realisieren, ist weit mehr als ein einzelnes Technologieprojekt – es ist ein strategischer Schritt hin zu echter digitaler Souveränität. Gemeinsam mit starken Partnern Erste Group und A1 bringen wir Quantenkryptographie aus der Spitzenforschung in den alltäglichen operativen Einsatz kritischer Infrastrukturen. Von Wien nach Frankfurt. Unsere Technologie schafft eine zusätzliche, physikalisch basierte Sicherheitsebene, die auch künftigen Quantencomputern standhält. Damit beginnt eine neue Phase der Cybersecurity in pan-europäischen Netzen, wirtschaftlich tragfähig und technologisch führend aus Österreich heraus“,
betont Felix Tiefenbacher, CEO von zerothird.
Mit dem erfolgreichen Pilotprojekt ist die Erste Group die erste europäische Bankengruppe, die eine auf Verschränkung basierende Quantentechnologie im kommerziellen Umfeld getestet hat. Laut dem „Quantum Index“ zählt das Institut damit zu den zwanzig weltweit führenden Finanzdienstleistern im Bereich Quantentechnologie und zu den drei größten innerhalb der Europäischen Union.
Vor dem Hintergrund massiver Investitionen in Quantentechnologien durch US-amerikanische und chinesische Konzerne wird dem europäischen Ansatz eine strategische Bedeutung zugeschrieben. Das QUAPITAL-Konsortium leistet nach Einschätzung der Projektpartner einen Beitrag zur technologischen Souveränität Europas und zeigt, dass quantensichere Infrastrukturen auch aus europäischen Forschungs- und Industriekooperationen heraus entstehen können.