Alle 14 Tage aktuelle News aus der IT-Szene   >   
Wenn KI selbst zum Angriffsziel wird 13. 02. 2026
Ein neuer Bericht der Google Threat Intelligence Group zeigt, wie staatlich unterstützte Akteure generative KI bereits heute systematisch für Cyberaufklärung, Social Engineering und Spionage einsetzen. Im Fokus stehen dabei erstmals auch Angriffe auf KI-Modelle selbst.
Token Exchange verbindet Identitäten über Domänengrenzen hinweg 13. 02. 2026
Der parallele Betrieb mehrerer Identitätsdomänen bremst den Einsatz von KI-Agenten, APIs und Microservices. Ein standardisierter Token-Austausch soll Autorisierung über Sicherheitsgrenzen hinweg ermöglichen, ohne bestehende Anwendungen tiefgreifend anzupassen.
IBM erweitert FlashSystem-Portfolio um KI-gestützte Co-Administration 12. 02. 2026
IBM stellt eine neue Generation seiner FlashSystem-Speicher vor. Agentenbasierte KI soll Verwaltungsaufwand deutlich reduzieren, die Ausfallsicherheit erhöhen und Ransomware schneller erkennen. Drei neue Systeme adressieren unterschiedliche Enterprise-Anforderungen.
Sophos übernimmt Arco Cyber und erweitert Angebot um CISO-nahe Managementservices 12. 02. 2026
Mit der Übernahme des britischen Cybersecurity-Spezialisten Arco Cyber baut Sophos sein Serviceportfolio aus. Kern der Erweiterung ist das neue Angebot „Sophos CISO Advantage“, das Organisationen bei Strategie, Governance und Risikobewertung unterstützen soll – auch ohne eigene Sicherheitsleitung.
Wie A1 die Cyber-Resilienz bei EGLO nach einem Ransomware-Vorfall stärkt 11. 02. 2026
Nach einem Ransomware-Angriff hat A1 gemeinsam mit EGLO eine robuste Cyber-Resilienz-Strategie aufgebaut, die Betriebssicherheit, schnelle Wiederherstellung und präventiven Schutz vereint. Der Beitrag beleuchtet die Lessons Learned, technische Maßnahmen und wie Unternehmen ihre Abwehr- und Reaktionsfähigkeit verbessern können.
Wie eine souveräne Cloud-Architektur die IT des Gesundheitsamts Frankfurt modernisiert 11. 02. 2026
Für Behörden gewinnt digitale Souveränität zunehmend an Bedeutung: Der Beitrag zeigt, wie das Gesundheitsamt Frankfurt am Main mit der cloud-nativen Plattform „GA-Lotse“ auf Basis von Exoscale-Cloud und Open-Source-Technologien eine moderne, DSGVO-konforme IT-Lösung realisiert hat. Im Fokus stehen Sicherheit, Datenhoheit und Effizienzgewinne durch föderale Cloud-Architekturen.
Künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber im Immobilienvertrieb 11. 02. 2026
Von automatisierter Lead-Qualifizierung über datenbasierte Preisfindung bis hin zu personalisierten Kundenansprachen: Künstliche Intelligenz eröffnet dem Immobilienvertrieb neue Effizienz- und Skalierungspotenziale. Der Beitrag zeigt, wie datengetriebene, KI gestützte Technologien den Immobilienvertrieb effizienter, präziser und skalierbarer machen und welche Vorteile und Chancen sich daraus für Unternehmen ergeben.
STARFACE, estos und Gamma bündeln Roadshow-Format 10. 02. 2026
Mit der „Grow Together Tour 2026“ gehen STARFACE, estos und Gamma Deutschland erstmals gemeinsam auf Tour. Neun Termine im März und April führen durch den gesamten DACH-Raum, Auftakt ist am 4. März in Wien.
Zscaler erweitert Zero-Trust-Ansatz auf den Browser 10. 02. 2026
Mit der Übernahme von SquareX will Zscaler Zero-Trust-Sicherheit direkt in gängige Webbrowser integrieren. Ziel ist es, den sicheren Zugriff auf Anwendungen auch auf nicht verwalteten Geräten zu ermöglichen – ohne zusätzliche Unternehmensbrowser oder klassische Fernzugriffstechnologien.
ESET baut Enterprise-Geschäft in Österreich aus 10. 02. 2026
Der IT-Sicherheitsanbieter ESET überträgt die Verantwortung für Großkunden und strategische Partnerschaften in Österreich an Zvezdan Bogdanovic. Der erfahrene IT- und Vertriebsexperte soll seit Jahresbeginn das Enterprise-Segment weiterentwickeln.
IBM startet globale Ausschreibung für KI-Lösungen in Bildung und Arbeitsmarkt 09. 02. 2026
IBM hat eine weltweite Ausschreibung für die nächste Kohorte seines Impact Accelerator Programms gestartet. Der Fokus liegt auf KI-gestützten Lösungen, die Bildungsprozesse modernisieren und Übergänge in den Arbeitsmarkt verbessern sollen.
Fünf KI-Trends, die 2026 den digitalen Arbeitsplatz prägen 09. 02. 2026
Steigende Betriebskosten, neue regulatorische Anforderungen und der rasante technologische Fortschritt setzen Unternehmen zunehmend unter Druck, ihre Arbeitsprozesse effizienter und zugleich regelkonform zu gestalten. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zentrale Rolle – von der intelligenten Dokumentenverarbeitung über präventive Cybersicherheit bis hin zur Unterstützung von ESG-Reporting und Governance. Konica Minolta hat fünf Trends identifiziert, die den Digital Workplace im Jahr 2026 maßgeblich beeinflussen werden.
Moltbook-Hack legt strukturelle Schwächen im KI-Sektor offen 09. 02. 2026
Nach dem Einbruch bei der KI-Plattform Moltbook warnt der Security-Anbieter ESET vor einem gefährlichen Missverhältnis zwischen Innovationsgeschwindigkeit und IT-Sicherheit. Sicherheitsforscher kompromittierten das System innerhalb weniger Minuten.
Septeo schließt Übernahme von stp.one ab 05. 02. 2026
Der französische Software-Publisher Septeo hat die Übernahme des deutschen Legal-Tech-Anbieters stp.one abgeschlossen. Mit der Transaktion baut die Gruppe ihre europäische Präsenz aus und überschreitet ein Umsatzvolumen von 560 Mio. Euro.
Qsentinel und Nextcloud vereinbaren Partnerschaft für sichere virtuelle Arbeitsplätze 05. 02. 2026
Der Schweizer Anbieter Qsentinel und die Kollaborationsplattform Nextcloud gehen eine strategische Partnerschaft ein. Ziel sind hochsichere virtuelle Arbeitsplätze für Organisationen mit besonders sensiblen Daten.
Überwachungskampagne mit cloud-nativem Android-Trojaner Arsink RAT 04. 02. 2026
Der Sicherheitsspezialist Zimperium hat eine groß angelegte Android-Überwachungskampagne aufgedeckt. Der Remote-Access-Trojaner „Arsink RAT“ nutzt legitime Cloud-Dienste zur Tarnung und erlaubt Angreifern umfassenden Zugriff auf infizierte Geräte.
A1 und Microsoft senken Einstiegshürde für Copilot in österreichischen KMU 04. 02. 2026
Mit einem neuen „Microsoft 365 Copilot for Business“-Angebot wollen A1 und Microsoft kleinen und mittleren Unternehmen in Österreich den Zugang zu KI-gestützten Arbeitswerkzeugen erleichtern. Das Paket kombiniert Copilot-Funktionen mit bestehenden Microsoft-365-Lizenzen und bringt je nach Modell deutliche Preisnachlässe für Bestands- und Neukunden.
Vertiv bringt neue PowerUPS-200-Serie für Arbeitsplätze und vernetzte Haushalte 03. 02. 2026
Mit der neuen PowerUPS-200-Familie bringt Vertiv kompakte USV-Systeme mit 600 bis 2200 VA in den EMEA-Markt. Die Serie richtet sich an vernetzte Haushalte ebenso wie an Arbeitsplätze und POS-Umgebungen – und kombiniert Stromausfallschutz mit Funktionen wie austauschbaren Batterien, USB-Ladeports und unterschiedlichen Anzeige­konzepten für den Systemstatus.
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it&t business Roundtable „DevOps: Entwicklung und Betrieb Hand in Hand“

DevOps: Die richtige Einbahnstraße

DevOps verspricht, die Zusammenarbeit zwischen Softwareentwicklung und IT-Betrieb zu verbessern. Sechs Expertinnen und Experten diskutierten beim it&t business Roundtable über den Ansatz.

Foto: Screenshot Es diskutierten (von oben links in Leserichtung): Manfred Schmid, Ramsauer & Stürmer, Moderatorin Christine Wahlmüller, Irmgard Gmachl Porsche Informatik, Jürgen Pointinger, Nagarro, Stefan Novoszel, Zühlke, VÖSI-Präsident Peter Lieber, Sparx System und LieberLieber Software, und Norbert Vohn, Ericsson Agilität ist ein Schlagwort, das fast alle Unternehmen erfasst hat. Viele schwören inzwischen auf DevOps und suchen händeringend nach geeigneten DevOps Engineers. DevOps wird in den IT-Abteilungen von immer mehr Unternehmen zum wichtigen methodischen Framework für die Entwicklung und den Betrieb von Applikationen – insbesondere für Anwendungen in der Cloud und aus der Cloud, heißt es in einer aktuellen IDC Studie zur DevOps Nutzung in Deutschland. Mehr als Drei Viertel (77 Prozent) der befragten Unternehmen nutzen DevOps-Prozesse (Daten von 2019), im Jahr zuvor waren es mit 48 Prozent noch deutlich weniger. Allerdings entwickeln laut Studie nur knapp ein Fünftel (19 Prozent) der Unternehmen mehr als die Hälfte ihrer Applikationen mit Hilfe von DevOps. Die Pläne der Befragten sind aber ambitioniert: Weitaus mehr als die Hälfte aller Unternehmen (60 Prozent) plant, die Anwendungen innerhalb von 24 Monaten mehrheitlich mit DevOps-Prozessen entwickeln zu wollen. Ähnlich ist die Situation wohl in Österreich, wobei die Corona-Krise sowohl in Deutschland als auch Österreich noch als Motor gewirkt haben dürfte. Als größte Hürde wurde in der IDC Studie das Thema „IT-Kultur und Beharrungsvermögen“ genannt (34 Prozent), schwierig wird auch das Verhältnis zwischen Anwendungsentwicklung und IT-Betrieb gesehen (33 Prozent), währen die Reife der Tools und deren Anwendungen erst auf dem dritten Platz zu finden ist (29 Prozent).

Aber vielen Unternehmen ist klar, dass in DevOps die Zukunft liegt. Sie sehen folgende Vorteile: Rund 40 Prozent wollen mit dem Einsatz die Agilität in der Entwicklung steigern, 38 Prozent wollen für eine schnellere Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur sorgen und 37 Prozent zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit beitragen, indem sie auch während der Entwicklung auf neue Anforderungen reagieren können.

Foto: Porsche Informatik Irmgard Gmachl, Porsche Informatik: „DevOps in der Porsche Informatik ist in erster Linie einmal ein Kulturthema, und birgt in zweiter Linie natürlich auch technische Aspekte“ Kulturthema

„DevOps in der Porsche Informatik ist in erster Linie einmal ein Kulturthema, und birgt in zweiter Linie natürlich auch technische Aspekte“, unterstreicht Irmgard Gmachl, seit mehr als zehn Jahren Abteilungsleiterin Software Engineering bei Porsche Informatik und seit März auch Leiterin des neuen Software Labs im Software Park Hagenberg (OÖ). Sie blickt ein wenig zurück: „Wir haben schon vor Jahrzehnten bereits Aspekte des jetzigen DevOps Ansatzes gehabt, nur hatten wir kein Wort dafür. Wir haben Standing Teams, die entsprechend empowered sind und sich in voller Verantwortung um das Produkt für ihre Kunden kümmern: Dazu gehört Projekt- und Requirement-Management, Software Engineering, natürlich Codieren, aber auch seit jeher die Verantwortung gegenüber dem Kunden betreff Availability und Support.“

Gmachl sieht beim Thema DevOps einiges an Bewegung und dringenden Bedarf zu intensiver Zusammenarbeit: „Im letzten Jahrzehnt sind jetzt wieder mehr technische Aspekte betreff Infrastruktur ins Dev-Team gewandert. Auf der anderen Seite sehen wir, dass ganz viel Software Development Know-how – das heißt wie verwalte ich Codes oder Scripts – in die Infrastruktur kommt. Es ist ein gemeinsames Lernen und Zusammenarbeiten. Ganz wichtig ist uns daher ein Community-Denken. Natürlich gibt es da bei den Teams noch Unterschiede, einige sind schon perfekt und bei anderen gibt es sicher noch Handlungsbedarf.“ Sie ergänzt gleich noch: „Aus meiner Sicht ganz wichtig ist die Balance zwischen Durchsatz und Stabilität, aber im Prinzip leben wir das schon seit Jahrzehnten.“

Foto: VÖSI/APA-Fotoservice/Juhasz Peter Lieber, LieberLieber Software: „Aus Sicht des Software Entwicklers ist das Team im IT-Betrieb der natürliche Feind, denn es verhindert Innovationskraft und neue Technologien“ Peter Lieber, Präsident des Verbands Österreichischer Software Industrie (VÖSI) und selbst IT-Unternehmer und Eigentümer von Sparx Systems und LieberLieber Software, beginnt mit einer ketzerischen Ansage: „Aus Sicht des Softwareentwicklers ist das Team im IT-Betrieb der natürliche Feind, denn es verhindert Innovationskraft und neue Technologien. Die mögliche Brücke könnte hier DevOps sein. Software Developer sind immer daran interessiert, das Neueste, Innovativste und Coolste auszuprobieren, Pionier zu sein. Und dann prallen sie auf Operations, wo ihnen z.B. gesagt wird: Ein .NET Framework 4.7 geht jetzt gar nicht, das machen wir erst in zwei Jahren.“

Lieber nimmt die einzelnen Branchen ins Visier: „In Banken ist das Packaging von Software ein Mörder-Prozess und überschreitet oft die Kosten von Softwareentwicklung massiv. Wir haben hier auch unterschiedliche Geschwindigkeiten am Markt. Banken haben einen extrem hohen Stabilitätsanspruch und agieren schwerfällig: In einem halben Jahr soll dann in drei Abnahmestufen eine neue Software-Release produktiv gehen.“ Ganz anders sieht es in der Automobilbranche aus, hier ortet Lieber zwei Lager: „Das Lager der Wahnsinnigen, wo die Software um jeden Preis schnell ausgerollt wird, mit der Meinung: Der Fahrer ist selbst schuld, wenn er sich auf die Systeme verlässt. Deswegen gibt es jetzt auch neue Regulatorien, um diesem Agieren Einhalt zu gebieten. Und auf der anderen Seite stehen die „Übervorsichtigen“ wie VW, Audi, Daimler und BMW.“

Eine ganz andere Geschwindigkeit in der Software-Entwicklung und im Deployment sieht er beim Online-Handels-Riesen amazon: „Bei amazon gibt es tatsächlich Continuous Delivery, hier wird Software entwickelt und sofort ausgerollt.“ Allerdings ist der DevOps Job nicht so einfach, stellt Lieber fest: „Die Rolle von DevOps, im Vermitteln zwischen Software Entwicklung und IT-Betrieb, ist ähnlich wie die Herausforderung, zwischen Business und Software Development zu vermitteln. Für DevOps braucht es die Kompetenz aus beiden Lagern. Ein DevOp Engineer muss IT und Software verstehen.“

Gegensätzliche Interessenslagen

Hier knüpft gleich Stefan Novoszel an, bei Zühlke Österreich als Business Solutions Manager im Einsatz. Zühlke ist ein international tätiger Innovationsdienstleister. Die partnergeführte Unternehmensgruppe realisiert maßgeschneiderte IT-Lösungen gemeinsam mit ihren Kunden. „Unseren Kunden ist es wichtig, sich von ihren Mitbewerbern abzuheben“, schildert Novoszel, der jahrelange umfangreiche Erfahrung in der Begleitung der digitalen Transformation bei vielen Unternehmen in Österreich besitzt. Novoszel betont ebenfalls die eigentlich gegensätzliche Interessenslage von Entwicklung und Operations „Viele große Unternehmen sind sehr Silo-artig organisiert, mit dem Problem, dass sich Zielsysteme oft widersprechen. Dabei gibt es einerseits Entwicklungsabteilungen, die Features möglichst schnell realisieren sollen. Andererseits gibt es eine IT-Operations-Abteilung, die daran gemessen wird, wie stabil ihre Systeme laufen, und dass es wenig Down-time gibt. Jedes neue Feature und jedes neue Einspielen – egal, wie gut gemacht – birgt hier ein potentielles Risiko. Oft hängen auch noch Bonuszahlungen daran. Und natürlich arbeiten die Menschen so, dass sie ihren eigenen Zielen entsprechen. Ein guter Ansatz ist es, die Teams „zusammenzuwürfeln“ und ihnen die gemeinsame Verantwortung und ein gemeinsame Ziel zu geben. Das ist der einzige Weg, damit sie sich trauen, die Dinge voranzutreiben.“

Zur Rolle von DevOps meint Novoszel: „Die Idee bei DevOps ist es, dass man von Anfang an Qualität in die Produkte einpackt.“ Automatisierung schafft zudem Fehlervermeidung, weiß der Informatiker: „Wenn man den Code eincheckt, dann laufen die Tests automatisiert durch, dann wird der Code automatisiert in ein Staging geschoben, mit Integrations- und Lasttests. Dazu gehört auch, dass der Staging-Bereich sehr produktionsnahe aufgebaut ist. Das ist nicht ganz einfach, aber wenn das geschafft ist, hat man tatsächlich die Grundvoraussetzung, um professionell Software liefern zu können. Bei Amazon beispielsweise passiert das tatsächlich in Reinkultur. Hier wird alle paar Sekunden deployed, der Code geht durch die Pipe und wird dabei automatisch auf seine Qualität geprüft.“ Tipp des Zühlke Managers: „Damit DevOps funktioniert, ist eines ganz wichtig: Vorleben. Es geht darum, ein Team zu finden, das Spaß daran hat, interdisziplinär zusammenzuarbeiten und zeigt, dass dieses gemeinsame Arbeiten auch besser funktioniert als der bisherige Prozess“. Wenn DevOps lediglich von der Unternehmensspitze plötzlich verordnet werde, funktioniere das sicher nicht.

Schneller ins Deployment kommen

Eine andere Perspektive bringt Norbert Vohn ein, er ist Head of DevOps Euro beim schwedischen Telekommunikationsunternehmen Ericsson, der Mobilfunknetzbetreiber zu seinen Kunden zählt und damit das 5G-Business in Europa entscheidend prägt: „Im Bereich Telekommunikation sind wir von einer alten, stark monopolistisch geprägten Struktur über die letzten Jahre in eine sehr viel schnellere Umsetzung gekommen. Früher wurden hier nur alle paar Jahre neue Features in Telekommunikationssystemen eingepflegt, das ist heute mittlerweile komplett anders. Darauf haben wir uns hier im Eurolab in Aachen eingestellt und stellen den Entwicklern hier unterschiedliche Environments zur Verfügung. Wir brauchen z.B. Umgebungen, wo die Entwickler innovative Dinge ausprobieren und Erfahrungen sammeln können, aber auch Staging Environments bzw. Productional Environments, um beim Kunden schneller ins Deployment zu kommen und die Qualität durch automatisierte Tests zu verbessern.“

Das passiert bei Ericsson nicht nur in Aachen, sondern läuft weltweit verteilt. „In unserer Branche sehen wir verschiedene Pipelines der Entwickler, die letztlich bei den Operators dann zusammenkommen. Hier liegt auch schon die Schwierigkeit, diese Pipelines zusammenzubringen. Wir schauen im Prinzip, wie wir diesen gordischen Knoten auflösen können“, erklärt Vohn, „die ganze Sache ist in einem systemrelevanten Bereich sicher komplexer und schwieriger. Wenn man im Online-Shop einmal zwei Minuten warten muss, kann man damit leben. Aber im Telekommunikationsbereich erwartet jeder eine hohe Qualität“ Eine Challenge ist auch das verschiedene Mindset bei den Kunden: „Auf Kundenseite gibt es ganz unterschiedliche Erwartungshaltungen und es gibt Unterschiede in der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Das bedeutet, es sind sehr spezielle, auf den jeweiligen Kunden zugeschnittene Pipelines notwendig“, berichtet der Ericsson Experte, „es geht bei DevOps nicht nur um Technologie, sondern darum, die kulturelle Transformation zu begleiten. In Zukunft würde ich mich damit als Social Engineer und nicht mehr als Software Engineer bezeichnen.“

Foto: Nagarro Jürgen Pointinger, Nagarro: „Auf technischer Ebene überzeugt DevOps durch eine Kombination aus agilen Entwicklungsmethoden, Automatisierung, dem Qualitäts- und Sicherheitsgedanken und Continuous Delivery“ Nagarro ist Digitalisierungspartner mit 10.000 Mitarbeitern weltweit und positioniert DevOps als Evolutionsschritt, der von innen heraus wirkt wie Jürgen Pointinger, DevOps Practice Lead in der Wiener Niederlassung, berichtet: „Wir haben schon vor langer Zeit DevOps in unsere DNA aufgenommen, dabei schwebt der Qualitätsgedanke überall mit und in erster Linie ist immer das Ziel, den Kunden zu stärken. Als man vor 12 Jahren das erste Mal über DevOps geredet hat ging es darum, die typischen Silos von Entwicklung und Betrieb aufzubrechen und zu bewirken, dass Teams mehr miteinander reden und arbeiten. Auch Information Security musste an Bord geholt werden. Wir reden hierbei von rein menschlichen Hürden, das hatte mit Technologie noch gar nichts zu tun“, erinnert sich Pointinger. „Heute unterstützen wir unsere Kunden mit DevOps dahingehend, dass sie ihre Unternehmenskultur methodisch, von innen heraus anpassen, damit die Lücke zwischen agilen Entwicklungsteams und der Unternehmensführung geschlossen wird. Das Top-down Verordnen funktioniert nicht.“ Der DevOps Ansatz bringt wirklich viele Vorteile, menschlich und technisch, outet sich Pointinger als echter DevOps Enthusiast: „Auf technischer Ebene überzeugt DevOps durch eine Kombination aus agilen Entwicklungsmethoden, Automatisierung, dem Qualitäts- und Sicherheitsgedanken und Continuous Delivery.“

Qualität versus Geschwindigkeit

Der Nagarro-Consultant bringt ein konkretes Beispiel aus dem Native Advertising Bereich mit ein, wo er seit eineinhalb Jahren mit einem mittelständischen Unternehmen zusammenarbeitet: „Dort wurde die Wechselwirkung zwischen Qualität, Sicherheit und Schnelligkeit deutlich. Zuerst stellte man die Qualität zugunsten der Geschwindigkeit zurück. Das Ergebnis war, dass man von der mangelnden Qualität und technischen Schulden schnell eingeholt wurde. Es gab lange Abnahmeprozesse und fehlerhafte manuelle Lieferungen. Das war eine große Belastung für die Mitarbeiter und die Einsparungen bei der Qualität haben das Unternehmen letztlich träger statt schneller gemacht. Mit DevOps konnten wir sowohl Qualität als auch Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität rasch deutlich verbessern! Ich denke, auch an diesem Beispiel sieht man ganz gut, was DevOps leisten kann.“

Foto: R&S Manfred Schmid, Ramsauer & Stürmer: „Mit DevOps als Methode gelingt es uns, die Transparenz zu schaffen, um für alle nachvollziehbar zu sehen: Wo stehen wir gerade?“ Manfred Schmid, seit März neben Markus Neumayr zweiter Geschäftsführer bei Ramsauer & Stürmer, einem ERP Hersteller aus Salzburg mit aktuell rund 400 Kunden, schildert die eigene Challenge so: „Wir entwickeln eine Business Software Lösung für unterschiedliche Branchen: für lebensmittelerzeugende Unternehmen und Banken bis hin zu Bauhandwerkern. Das stellt uns in punkto Features vor große Herausforderungen, weil es aufgrund der Komplexität gar nicht so einfach ist, hier den Überblick zu bewahren. Mit DevOps als Methode gelingt es uns, die Transparenz zu schaffen, um für alle nachvollziehbar zu sehen: Wo stehen wir gerade? Oder zur Frage: Inwiefern ist es z.B. sinnvoll, Features vorzuziehen, um weniger fehleranfällig zu sein?“

Schmid weiter: „Für uns war es in den letzten Jahren eine große Veränderung, weg vom klassischen Wasserfall-Modell und Pflichtenheft hin zu DevOps und agilen Methoden. Man hat viel kürzere Ziele und Entscheidungsintervalle: So sind ca. alle zwei Wochen Sprints, wo wir dann Abnahmen haben. Außerdem darf auf die gesamte Kundenthematik nicht vergessen werden. Man muss den Kunden so weit bringen, dass er bereit ist, sich alle zwei Wochen Zeit zu nehmen. Insgesamt ist es tatsächlich ein Riesen-Kultur-Thema“, bekräftigt Schmid die Aussage von Irmgard Gmachl. „DevOps von heute auf morgen einführen zu wollen, wäre aber ein komplett blauäugiges Unterfangen“, warnt Schmid, „es bedeutet, sich mit den Mitarbeitern ständig auszutauschen. Es ist eine große Herausforderung, aber toll, wenn es dann funktioniert. Es wird zwar nie perfekt funktionieren, aber es ist ein sehr guter Ansatz, in die richtige Richtung zu kommen, der eine Qualitätssteigerung und mehr Übersicht bringt und organisatorisch die Teams formt.“

Tipps für die DevOps-Praxis

 Irmgard Gmachl greift die Kundenthematik auf, denn oft sehen Kundenerwartungen anders als die eigenen Vorstellungen aus: „Ein Kunde von uns hatte die Erwartung: Die Software ist fertig und es gibt vielleicht einmal im Jahr einen Bugfix. Wir haben einmal pro Monat Features und Bugfixes geliefert, damit waren wir in den KPIs des Kunden tiefrot. Das heißt, das Mindset des Kunden ist natürlich ganz wesentlich. Will man mit dem Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich zusammenarbeiten, muss man ihn von DevOps überzeugen.“ Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine offene Fehlerkultur. „Man muss im Team absolut offen und konstruktiv mit Fehlern umgehen. Wenn das nicht möglich ist, dann vergiss DevOps“, bringt Gmachl das interne notwenige Mindset auf den Punkt. Drittens: „Wichtig ist auch daran zu arbeiten, wie sich die Teams im Sinne von Know-how weiter entwickeln können“, so Gmachl. Zur Fehlerreduktion rät sie „zur Automatisierung und zum Aufteilen auf kleinere Häppchen.“

Peter Lieber ist auch das Thema Sicherheit bzw. SecDevOps ein Anliegen: „Wir haben im VÖSI die Special Interest Group „Safety & Security“. Genauso wie Design und Funktionalität muss auch Safety & Security von Anfang an in der Software Entwicklung mitgedacht werden.“ Lieber geht zudem auf die Dokumentation ein: „Hier gab es die irrtümliche Annahme, dass ein Wechsel auf DevOps die Dokumentation erspart. Das ist nicht der Fall. Erfolgreich ist man in der agilen Umsetzung nur dann, wenn perfekt dokumentiert wurde. Ich verwende etwa Modellierung als Dokumentationshilfe. Die Dokumentation ist und bleibt ein wesentlicher Bestandteil in der Software Entwicklung.“

Manfred Schmid stimmt Peter Lieber zu: „Von der Dokumentation bis zu jedem Release hilft DevOps sehr. Es gilt da wirklich die Transparenz zu schaffen, damit man nicht mehr auf einzelne Player oder Entwickler angewiesen ist. Im Team die Ziele zu erreichen und im Team das Know-how weiterzugeben – das fördert den Teamgedanken und die Zusammengehörigkeit ungemein.“ Schmid fasst zusammen: „DevOps ist nicht mehr wegzudenken, es bringt uns Transparenz und Verbesserungen – sowohl menschlich in der Zusammenarbeit als auch in der Qualität der Software.“

Jürgen Pointinger ergänzt: „Wir beraten und begleiten zwar die Unternehmen, aber die Veränderung muss von innen passieren. Ein Grundstein sind cross-funktionale, agile Teams, die Autonomie brauchen. Und ganz wichtig ist das Vertrauen, das aufgebaut werden muss. Das ist nichts, das man einfach geschenkt bekommt. Es geht dabei nicht nur um mehr Austausch miteinander, sondern auch darum, unterstützende Teamstrukturen dafür aufzubauen. Unsere Herangehensweise ist immer: Wir betrachten die gesamte Wertschöpfungskette um Probleme und Blocker zu identifizieren und aufzulösen. Entgegenwirken kann man z.B., indem man Experimente fördert oder indem man Bausteine kleiner macht.“

Foto: Zühlke/Ludwig Schedl Stefan Novoszel, Zühlke: „DevOps ist der Motor, damit wir möglichst schnell die Anforderungen und Bedürfnisse der Kunden abdecken können“ Für Stefan Novoszel gibt es heute nur einen Weg: „DevOps ist der Motor, damit wir möglichst schnell die Anforderungen und Bedürfnisse der Kunden abdecken können. Endkunden permanent in den Entwicklungsprozess einzubinden, ist ein wesentlicher Schritt. Es gibt Studien, dass nur 60 Prozent aller entwickelten Features tatsächlich genutzt werden. Das heißt, es geht nicht nur darum, Feedback zuzulassen, sondern es auch zu schätzen, denn richtig genutzt, eröffnet es uns zusätzliche Entwicklungskapazitäten.“

Foto: Ericsson Norbert Vohn, Ericsson: „DevOps ist eine wichtige und richtige Einbahnstraße. Sobald man das Rad zurückdrehen will, werden die Leute das ablehnen“ Norbert Vohn hakt ein: „Genau das war für uns der Grund, 2008/09 mit agilen Methoden zu starten. Wenn Features dann nicht genutzt werden, verbrennt man nur Geld in der Entwicklung und der Spaß und die Motivation bei den Entwicklern sind weg.“ Der DevOps-Experte resümiert: „Es gibt keinen Weg zurück, man könnte provokant sagen: DevOps ist eine wichtige und richtige Einbahnstraße. Sobald man das Rad zurückdrehen will, werden die Leute das ablehnen.“

Für DevOps ausbilden

Thematisiert wurde in der Expertenrunde auch das Thema Ausbildung. Für Irmgard Gmachl ist „Learning by doing“ ganz wichtig. „Am wichtigsten sind mir Leute mit Potenzial und Talent für IT, die Vorbildung ist gar nicht so relevant. Wir sind daran gewöhnt, auszubilden.“

Jürgen Pointinger sieht es ähnlich: „Wer in Richtung DevOps gehen möchte, kann bei uns interne Ausbildungsprogramme nutzen.“ Manfred Schmid ergänzt noch: „Zusätzlich ist externe beratende Hilfe am Anfang sicher gut, quasi als Hilfe zur Selbsthilfe.“

Stefan Novoszel ist die individuelle Förderung und das Herausnehmen aus dem Alltagstrott wichtig: „Früher gab es das Gießkannenprinzip, heute berücksichtigen wir viel mehr Vorlieben und Talente unserer interdisziplinär arbeitenden Mitarbeiter. Wir organisieren beispielsweise Camps zu Spezialthemen, die drei bis vier Tage dauern.“–cw–

Der DevOps-Roundtable zum Nachsehen: https://youtu.be/-O6dim2Jw-w

 

Die Expertinnen und Experten

  • Irmgard Gmachl leitet seit März 2021 das neue lab:hagenberg der Porsche Informatik im Software Park Hagenberg. Gmachl ist seit 22 Jahren im Unternehmen und seit über zehn Jahren erfolgreich als Abteilungsleiterin im Bereich Software Engineering tätig.
  • Peter Lieber ist seit 2014 Präsident des Verbands Österreichischer Software Industrie (VÖSI), der gerade sein 35 Jahr Jubiläum gefeiert hat. Gleichzeitig ist der umtriebige IT-Experte Gründer und Eigentümer der IT-Unternehmen Sparx Systems und LieberLieber Software.
  • Stefan Novoszel ist Business Solution Manager bei Zühlke Österreich und hat viele Jahre große Unternehmen im DACH Raum erfolgreich dabei unterstützt, Digitalisierung voranzutreiben. Für den studierten Diplominformatiker ist neben dem Einsatz der richtigen Tools und Technologien auch das Etablieren des richtigen Mindsets wichtig.
  • Jürgen Pointinger ist Global Quality DevOps Practice Lead und DevOps Community Lead Lead bei Nagarro. Das Teilen seiner langjährigen Erfahrung als Softwareentwickler, Solution Architect und DevOps Enthusiast mit den Kunden und intern im Team ist ihm ein besonderes Anliegen.
  • Manfred Schmid agiert seit 01. April 2021 neben Markus Neumayr als zweiter Geschäftsführer des Salzburger ERP-Herstellers Ramsauer & Stürmer Software (R&S). Zuvor war der Informatiker Schmid CEO des Software Unternehmens Novotec, das im Frühjahr 2021 mit R&S fusionierte.
  • Norbert Vohn arbeitet seit 28 Jahren im Bereich Telekommunikation bei Ericsson. Aktuell agiert er als Head of DevOps Euro und leitet auch verschiedene „Communities of Practice“ mit Schwerpunkten in den Bereichen Unternehmenskultur, agiles Arbeiten und Projekt Management.
  • Moderation & Redaktion: Christine Wahlmüller
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