Salesforce kündigt mit Trusted Enterprise AI Harness eine offene, modulare Plattformarchitektur für den kontrollierten Einsatz von KI in Unternehmen an. Sie soll Daten und Informationen aus unterschiedlichen Geschäftssystemen zusammenführen und KI-Agenten den geregelten Zugriff auf Anwendungen und Prozesse ermöglichen. Eine neue AI Control Plane soll für zentrale Steuerung sorgen.
Foto: Salesforce
Der Einsatz von KI-Agenten in Unternehmen wirft zunehmend die Frage auf, wie sich Datenzugriffe, automatisierte Aktionen, unterschiedliche Modelle und Geschäftsregeln über verschiedene Systeme hinweg kontrollieren lassen. Salesforce will dafür eine gemeinsame technische Grundlage schaffen. Im Vorfeld der Dreamforce, die von 15. bis 17. September 2026 in San Francisco stattfindet, hat das Unternehmen das Trusted Enterprise AI Harness angekündigt.
Die Architektur soll Informationen aus CRM- und ERP-Systemen ebenso einbeziehen wie Verträge, Analysen, Richtlinien und bisherige Interaktionen. Unternehmen sollen entsprechende Funktionen damit nicht für jede einzelne KI-Anwendung separat entwickeln und verwalten müssen. Salesforce gliedert die Plattform dafür in sechs Bereiche: Context, Agency, Action, Governance, Security und Models.
Mit „Trusted Context“ will Salesforce unterschiedliche Informationsquellen in einen gemeinsamen Kontext für KI-Systeme bringen. Dazu zählen Kundendaten und Metadaten ebenso wie Wissen, Echtzeit-Signale, bisherige Interaktionen und Prozesswissen. Ziel ist es, KI-Anwendungen auf Basis zentral gesteuerter Unternehmensdaten einen übergreifenden Blick auf Kunden und Geschäftsprozesse zu ermöglichen.
„Trusted Agency“ adressiert hingegen die eigentliche Arbeitsweise von KI-Agenten. Die Komponente soll diese beim Planen, Schlussfolgern, Speichern von Informationen und Koordinieren komplexer Aufgaben unterstützen. Dabei kombiniert Salesforce KI-gestützte Entscheidungsprozesse mit fest definierten Regeln für jene Bereiche, in denen Entscheidungen eindeutig und reproduzierbar sein müssen.
Für die Verbindung mit operativen Systemen ist „Trusted Action“ vorgesehen. Über Anwendungen, Schnittstellen, Workflows und Geschäftsprozesse sollen KI-Systeme nicht nur Informationen verarbeiten, sondern auch konkrete Aufgaben ausführen können. Als Beispiel nennt Salesforce die Prüfung, ob eine Bestellung noch am selben Tag erfüllt werden kann, sowie das anschließende Einleiten der dafür notwendigen Schritte.
Die Kontrolle über Daten, Richtlinien und Prozesse übernimmt „Trusted Governance“. Die Komponente soll Qualitätsanforderungen und Leitplanken definieren und dafür sorgen, dass KI-Systeme auf den vorgesehenen Informationen basieren und Unternehmensrichtlinien berücksichtigen.
Ergänzt wird dies durch „Trusted Security“. Hier soll geregelt werden, welche Nutzer oder Systeme auf bestimmte Informationen zugreifen dürfen und welche Aktionen eine KI während des laufenden Betriebs ausführen kann.
Der sechste Baustein, „Trusted Models“, betrifft die Auswahl der eingesetzten KI-Modelle. Je nach Aufgabe sollen Modelle anhand von Kriterien wie Genauigkeit, Leistung, Kosten und geschäftlichen Anforderungen ausgewählt und angebunden werden können. Unternehmen sollen Modelle damit auch austauschen können, wenn sich Technologien oder Anforderungen verändern.
Wie komplex die Verbindung dieser Komponenten werden kann, verdeutlicht Salesforce anhand einer vermeintlich einfachen Kundenanfrage: Ob eine Bestellung noch am selben Tag geliefert werden kann, lässt sich in vielen Fällen nicht aus einem einzigen Geschäftssystem ableiten.
Während das CRM Informationen über den Kunden und die Geschäftsbeziehung enthält, liegen Daten zu Lagerbestand und Lieferfähigkeit beispielsweise im ERP. Verträge können zusätzliche Zusagen enthalten. Kaufhistorie, Serviceanfragen, Analysen und interne Richtlinien liefern weitere Informationen, die für eine Entscheidung relevant sein können.
Ein KI-System muss diese unterschiedlichen Informationen nicht nur zusammenführen, sondern daraus eine mögliche nächste Aktion ableiten. Soll es diese anschließend selbst ausführen, kommen Berechtigungen, Geschäftsregeln und Sicherheitsvorgaben hinzu. Das Trusted Enterprise AI Harness soll diese Funktionen in einer Architektur zusammenführen und für unterschiedliche Agenten und KI-Modelle bereitstellen.
Für die übergeordnete Verwaltung kündigt Salesforce zudem eine „AI Control Plane“ an. Sie soll Unternehmen einen zentralen Ort zur Steuerung ihrer KI-Systeme bieten. Dort sollen sich unter anderem Identitäten und Richtlinien festlegen sowie Einsatz, Leistung, Verhalten und Ergebnisse der KI verwalten beziehungsweise bewerten lassen.
Auch die Kosten sollen über die Control Plane überwacht und gesteuert werden können. Dies betrifft laut Salesforce sowohl eigene KI-Angebote als auch Lösungen von Drittanbietern. Ziel ist ein übergreifender Überblick über KI-Systeme, die in unterschiedlichen Arbeitsgruppen, Anwendungen, Modellen und Systemen eingesetzt werden.
Salesforce konzipiert das Trusted Enterprise AI Harness nicht ausschließlich für die eigenen Anwendungen. Die Architektur soll sich in bestehende IT-Landschaften und unterschiedliche Arbeitsumgebungen integrieren lassen.
Als technische Zugangswege nennt das Unternehmen MCP, APIs, Skills und Plug-ins. Darüber sollen die Funktionen auch außerhalb klassischer Salesforce-Anwendungen genutzt werden können. Explizit genannt werden Claude, Slack, Microsoft Teams, Agentforce und weitere KI-Anwendungen. Trusted Enterprise AI Harness soll damit zugleich die von Salesforce als „AIforce“ bezeichnete Strategie unterstützen.
Bei bestehenden Salesforce-Kunden sollen bereits eingesetzte Technologien als Grundlage für eine schrittweise Erweiterung dienen. Dazu zählt das Unternehmen Data 360, Informatica, MuleSoft und Agent Fabric, Tableau, Agentforce, Salesforce Guardian sowie die Salesforce Platform.
Unternehmen sollen dabei nicht gezwungen sein, sämtliche sechs Funktionsbereiche gemeinsam einzuführen. Nach Angaben von Salesforce können die Komponenten sowohl als Paket als auch als einzelne Bausteine eingesetzt werden. Damit soll eine schrittweise Erweiterung bestehender Systeme um zusätzliche KI-Funktionen möglich sein.
Bei der Verfügbarkeit befindet sich allerdings noch nicht die gesamte angekündigte Architektur auf demselben Stand. Laut Salesforce sind viele der zugrunde liegenden Technologien bereits verfügbar. Neue Funktionen und eine einheitliche Benutzeroberfläche sollen ab Anfang des Geschäftsjahres 2028, das bei Salesforce im Februar 2027 beginnt, schrittweise folgen.
Details zu Verfügbarkeit, Paketen, Preisen und möglichen Upgrade-Pfaden will Salesforce zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben. Darüber hinaus weist das Unternehmen darauf hin, dass die tatsächliche Verfügbarkeit je nach Region und Kundenvertrag variieren kann.