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Schöne neue Cloud-Welt?

DSAG-Vorstand Walter Schinnerer: „SAP darf das Gespür für den Bestandskundenmarkt nicht verlieren.“

Foto: DSAG Walter Schinnerer ist seit rund 30 Jahren bei der Wiener Gebietskrankenkasse bzw. den IT-Services der Sozialversicherung in unterschiedlichen Führungsrollen beschäftigt Mehr als 39 Prozent der österreichischen DSAG-Mitglieder (Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe) schätzen ihr eigenes Unternehmen weit bis sehr weit bei der digitalen Transformation ein. Das ergab eine Umfrage zum DSAG-Jahreskongress 2018. Doch mit 37 Prozent ist die Zahl derer noch überschaubar, die ihre Systeme bis 2025 auf S/4HANA, also auf den von SAP angebotenen digitalen Kern, umgestellt haben werden. Für Walter Schinnerer, den neuen DSAG-Vorstand in Österreich, ist dieses Ergebnis nicht erstaunlich, denn die SAP-Produkte sind im Umfeld des digitalen Wandels nur ein Player von vielen.

Aktuell stellen sich in Österreich viele DSAG-Mitglieder bei S/4HANA vor allem folgende Fragen: Warum sollten wir schon jetzt auf S/4HANA umsteigen und weitere 15 Prozent des SAP-Anwendungswertes für die Nutzung der HANA-Datenbank und mehrere Tausend Euro für ein Migrations-Projekt bereitstellen? Ist ein Umstieg 2023 nicht auch noch früh genug? „Wenn ein System performant läuft, den Anforderungen des Fachbereichs entspricht und zirka 90 Prozent Wartungsanteil und zehn, manchmal fünf Prozent Weiterentwicklungsanteil hat, sind diese Fragen legitim“, urteilt Schinnerer.

Umstieg muss kostengünstig möglich sein.

 Damit sich SAP hier gegen den Wettbewerb durchsetzen kann, muss der Software-Hersteller seine Kunden aus Sicht der DSAG darin unterstützen, den Umstieg auf S/4HANA möglichst eigenständig und kostengünstig durchführen zu können. „Ich wünsche mir eine nachvollziehbare und auf das Tempo des Markts abgestimmte bzw. auf den individuellen Kunden angepasste Transformations-Roadmap“, so Schinnerer. Als einen guten Anfang bezeichnet der Vorstand einerseits die Zusicherung seitens SAP, die Wartung für das On-Premise
ERP ECC bis mindestens 2025 zu garantieren und andererseits das S/4HANA-Adoption-Starter-Programm, das SAP auf Wunsch der DSAG ins Leben gerufen hat. Kunden, die das Programm durchlaufen, sollen binnen 90 Tagen zu einer Roadmap für die digitale Transformation in ihrem Unternehmen gelangen. SAP unterstützt sie dabei, den Weg ihres Unternehmens von SAP ERP zu S/4HANA mit den SAP-Self-Services auszuarbeiten. Zudem arbeiten der Software-Hersteller und die DSAG an diesem Thema innerhalb des DSAG-Arbeitskreises S/4HANA eng zusammen.

Transparentes Lizenzmodell.

 „Aus SAP-Sicht stehen die notwendigen Services und Produkte bereit, um die digitale Transformation zu bewältigen. Jetzt gilt es, den Kunden die Zeit einzuräumen, die sie benötigen, um den Umstieg in die SAP-Lösungswelt in ihrem Tempo gehen zu können“, sagt Schinnerer. Daher sollte SAP sich jetzt fragen, ob die Kunden tatsächlich ausreichende Informationen haben, um die Auswirkungen und Kosten, die ein Einsatz von S/4HANA verursacht, wirklich abschätzen zu können. Eine wesentliche Unterstützung wäre ein klares und transparentes Lizenzmodell. An diesem arbeitet die DSAG bereits seit Längerem in enger Abstimmung mit SAP.

Gespür für Bestandskunden notwendig.

 Optimierungspotenzial seitens SAP sieht der DSAG-Vorstand Österreich auch darin, dass sich SAP stärker auf die individuellen Herausforderungen ihrer Kunden konzentrieren sollte. Als langjähriger Bestandskunde will sich der gelernte Finanzbuchhalter deshalb dafür einsetzen, dass SAP dem On-Premise-Bestandsmarkt einen sicheren und soliden Übergangspfad von der „alten“ in die „neue“ Welt bereitstellt. „Einen Pfad, der von Kunden mit gutem Gewissen und wirtschaftlich vertretbar beschritten werden kann. SAP gibt hier ein zu rasches Tempo vor und scheint das Gespür für den Bestandskundenmarkt etwas verloren zu haben“, so das DSAG-Vorstandsmitglied.

Spürbar sei dies bei den Themen Cloud und Plattformen. „Meine Sorge ist, dass unter der Cloud-first-Strategie die Qualität der schon heute eingesetzten Produkte leidet und sich dann der eine oder andere, statt die SAP-Cloud-Lösungen einzusetzen, ganz von SAP löst“, erläutert Schinnerer und ergänzt: „SAP wäre gut beraten, ergänzend zur Cloud-first-Strategie auch schnellstmöglich eine Garantie zum langjährigen Bestand der On-Premise-Produkte unter Beibehaltung des aktuellen Produktumfanges abzugeben.“

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