Trotz zunehmender Investitionen in die Cybersicherheit setzen Unternehmen ihre Prioritäten weiterhin auf klassische IT-Systeme. Eine aktuelle Studie von OPSWAT und dem SANS Institute offenbart gravierende Sicherheitslücken im ICS/OT-Bereich – mit potenziell ernsten Folgen für die Resilienz kritischer Infrastrukturen.
Foto: OPSWAT
Holger Fischer, Director of Sales EMEA Central bei OPSWAT
Die Sicherheit industrieller Steuerungs- und Betriebstechnologien (ICS/OT) rückt zunehmend in den Fokus – und das nicht ohne Grund: Laut dem ICS/OT Cybersecurity Budget Report 2025, den OPSWAT gemeinsam mit dem SANS Institute veröffentlicht hat, berichten mehr als 50 Prozent der befragten Unternehmen von konkreten Anzeichen für Bedrohungen. Dennoch bleibt die finanzielle Ausstattung für diese sicherheitskritischen Bereiche unzureichend. Die Analyse zeigt auf, dass nicht nur die Budgethöhe, sondern auch deren Verteilung maßgeblich zur wachsenden Verwundbarkeit beiträgt.
Zwar gaben 55 Prozent der befragten Unternehmen an, in den letzten zwei Jahren ihr Cybersicherheitsbudget im ICS/OT-Bereich erhöht zu haben, doch fließt ein erheblicher Teil dieser Mittel weiterhin in klassische IT-Systeme. Der Fokus liegt vorwiegend auf technologischen Komponenten, während Maßnahmen zur operativen Resilienz deutlich zu kurz kommen. Diese Schieflage schafft laut dem Bericht neue Schwachstellen, die Angreifer gezielt ausnutzen.
Ein zentrales Problem ist die mangelnde Einbindung von Sicherheitsexpert:innen in Budgetfragen: Nur 27 Prozent der Unternehmen übertragen die Budgetverantwortung an CISOs oder CSOs. In Organisationen, wo dies nicht der Fall ist, werden spezifische Anforderungen im ICS/OT-Bereich häufig nicht angemessen berücksichtigt – mit potenziell gravierenden Folgen.
Der Bericht zeigt, dass Angriffe auf kritische Infrastrukturen keine Ausnahme mehr sind. Mehr als die Hälfte der Befragten berichteten von Anzeichen für Sicherheitsbedrohungen in ihren ICS/OT-Umgebungen. 27 Prozent bestätigten konkrete Vorfälle. Fast 20 Prozent durften aufgrund interner Richtlinien keine Angaben machen, und weitere 11 Prozent wussten es schlichtweg nicht – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegen könnte.
Besonders häufig genutzt werden laut Bericht internetfähige Geräte (33 Prozent) sowie temporär eingesetzte Systeme (27 Prozent). Beide Geräteklassen werden laut OPSWAT häufig verwendet, „um traditionelle Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen“.
Der häufigste Angriffsvektor im Bereich ICS/OT bleibt laut Report das IT-/OT-Netzwerk selbst – mit 58 Prozent deutlich vor anderen Bedrohungsquellen. Die Studie betont daher die Dringlichkeit integrierter Sicherheitsstrategien, um bereichsübergreifende Schwachstellen effektiv zu adressieren. Trotz der bekannten Risiken wenden rund 50 Prozent der Unternehmen weniger als ein Viertel ihres gesamten Sicherheitsbudgets für den Schutz ihrer ICS/OT-Umgebungen auf.
„Ein besorgniserregendes Ergebnis des Berichts ist, dass zwar die Budgets für Cybersicherheit gestiegen sind, aber ein Großteil dieser Investitionen immer noch auf traditionelle Geschäftssysteme wie IT konzentriert bleibt“, so Holger Fischer, Director of Sales EMEA Central bei OPSWAT.
Die Studienautoren sehen dringenden Handlungsbedarf. Unternehmen sollten ihre Cybersicherheitsstrategien umfassend überdenken und insbesondere darauf achten, dass ausreichende Budgets gezielt für ICS/OT-spezifische Abwehrmaßnahmen vorgesehen werden – vor allem in Bezug auf den Schutz von Geräten und Endpunkten. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die engere Verzahnung von IT- und OT-Sicherheit, um bereichsübergreifende Angriffspfade zu schließen und ganzheitliche Schutzmechanismen zu etablieren. Ebenso entscheidend ist es, dass sicherheitsverantwortliche Personen wie CISOs oder CSOs in die Kontrolle und Zuweisung der Budgets eingebunden sind, damit die finanziellen Mittel konsequent an den tatsächlichen operativen Risiken ausgerichtet werden können.
Fischer warnt abschließend: „Unternehmen, die es versäumen, die Bedrohungen für ihre ICS-Umgebungen neu zu bewerten, setzen ihre kritischen Infrastrukturen immer ausgefeilteren Angriffen aus. Der Schutz dieser technischen Systeme ist keine Option mehr, sondern entscheidend für die betriebliche Resilienz und die nationale Sicherheit."
Der vollständige Report steht online auf der OPSWAT Homepage zur Verfügung und bietet tiefergehende Einblicke in die Budgetstrukturen, Bedrohungslagen und organisatorischen Herausforderungen rund um ICS/OT-Sicherheit.