Mit „Autonomous Security“ erweitert ServiceNow sein Cybersecurity-Portfolio um sechs aufeinander abgestimmte Lösungen. Im Fokus stehen Exposure Management, Identitätssicherheit, Cyber-Physical Security, Incident Response und Compliance. KI-Spezialisten sollen dabei zunehmend Sicherheitsaufgaben eigenständig übernehmen.
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Yevgeny Dibrov, Senior Vice President und General Manager für Cybersecurity und Risiko bei ServiceNow
Mit dem zunehmenden Einsatz agentenbasierter KI verändert sich aus Sicht von ServiceNow auch die Sicherheitsarchitektur in Unternehmen. Jeder zusätzliche Agent, jede Maschinenidentität und jede neue Codezeile vergrößere die Angriffsfläche. Gleichzeitig seien Security-Informationen häufig über zahlreiche Einzellösungen verteilt. ServiceNow will deshalb Assets, Identitäten, KI-Agenten und Sicherheitsprozesse stärker in einem durchgängigen System zusammenführen.
Unter dem Namen „Autonomous Security“ erweitert das Unternehmen nun sein Security-Angebot um sechs neue Lösungen. Als strategischen Rahmen bezeichnet ServiceNow den Ansatz als „Shift Zero“: Statt fragmentierter und reaktiver Sicherheitsmaßnahmen sollen Risiken möglichst früh erkannt, bewertet und automatisiert adressiert werden.
Die neuen beziehungsweise erweiterten Angebote decken mehrere Bereiche der Unternehmenssicherheit ab. Im Exposure Management sollen Schwachstellen aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt, priorisiert und automatisiert behoben werden. Die Schwachstellenerkennung soll Risiken in Code, Cloud-Umgebungen und Infrastruktur erfassen – einschließlich KI-generiertem Code.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Cyber-Physical Security. Produktionsanlagen, Medizingeräte und IoT-Systeme sollen kontinuierlich überwacht und auf Compliance geprüft werden, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen.
Auch nicht-menschliche Identitäten rücken stärker in den Mittelpunkt. Servicekonten und KI-Agenten sollen sichtbar gemacht und Zugriffsregeln unterworfen werden, wie sie auch für menschliche Nutzer gelten. Bei Sicherheitsvorfällen wiederum soll ein KI-Spezialist die erste Reaktion eigenständig übernehmen und Menschen erst bei kritischen Entscheidungen einbeziehen.
Hinzu kommt ein kontinuierliches Compliance-Monitoring. Kontrollen für Standards wie SOC 2, ISO 27001, PCI-DSS oder HIPAA sollen damit nicht mehr ausschließlich in klassischen Audit-Zyklen stattfinden, sondern laufend überprüft werden.
Hinter dem Ausbau steht die Annahme, dass klassische Security-Prozesse mit der Geschwindigkeit wachsender KI-Umgebungen zunehmend an Grenzen stoßen. Nach Angaben von ServiceNow setzt ein Unternehmen heute im Durchschnitt mehr als 70 Security-Tools ein. Informationen über Endpunkte, Netzwerke, Cloud-Umgebungen und Identitäten seien dadurch häufig auf unterschiedliche Systeme verteilt.
Mit Autonomous Security will ServiceNow diese Informationen stärker zusammenführen und zugleich mehr Aufgaben automatisieren. Zu den dafür vorgesehenen KI-Spezialisten zählt der Vulnerability Resolution AI Specialist, der Sicherheitsaufgaben eigenständig übernehmen soll. Ziel ist es, Risiken zu erkennen, einzudämmen und zu beheben, bevor daraus tatsächliche Angriffe entstehen.
Yevgeny Dibrov, Senior Vice President und General Manager für Cybersecurity und Risiko bei ServiceNow, sieht vor allem in der Geschwindigkeit der Entwicklung die Herausforderung:
„Die Risiken durch KI wachsen exponentiell, doch Sicherheitsteams arbeiten noch immer im Tempo von Menschen. Maschinenidentitäten verdoppeln sich alle 18 Monate. Mit diesem Tempo kommen fragmentierte Sicherheitstools nicht mehr mit. Unternehmen brauchen autonome Sicherheit und Governance, die mit dem Ausmaß, der Geschwindigkeit und der Unberechenbarkeit kommender Bedrohungen mithält, bei der sämtliche Assets, Identitäten, KI-Agenten, kritische Infrastrukturen, Cloud-Umgebungen und Code geschützt sind und sich genauso schnell anpassen wie das Ökosystem selbst, um Bedrohungen in Echtzeit zu erkennen und zu beheben. So wird Sicherheit zum Beschleuniger statt zur Bremse.“
ServiceNow fasst den dahinterliegenden Ansatz unter dem Begriff „Shift Zero“ zusammen. Gemeint ist der Wechsel von reaktiver, über verschiedene Systeme verteilter Security hin zu stärker präventiven und automatisierten Kontrollen. Systeme, Identitäten und Agenten sollen dabei in Echtzeit kontrolliert und abgesichert werden. Zudem soll nachvollziehbar bleiben, welche Maßnahme ein System ergriffen hat, warum sie erfolgt ist und wer dafür verantwortlich ist.
Ein Großteil der angekündigten Lösungen ist laut ServiceNow bereits verfügbar. Dazu zählen Exposure Management, Application Security, Dynamic Application Security Testing (DAST), External Attack Surface Management sowie Angebote für physische Systeme und Identitätssicherheit.
Weitere Komponenten sollen ab Dezember 2026 folgen. Dazu gehören der Tier-2-SOC-Spezialist, der Vulnerability Resolution Specialist, kontinuierliches Compliance-Monitoring sowie eine Lösung für die kryptografische Umstellung.
Der Ausbau des Portfolios fällt in eine Phase, in der ServiceNow seine Rolle im Cybersecurity-Markt deutlich erweitern will. Die zunehmende Zahl autonom agierender KI-Agenten wirft dabei insbesondere die Frage auf, wie deren Zugriffsrechte künftig kontrolliert werden können.
Warum ServiceNow in einer Welt autonomer KI-Agenten sogar über Zero Trust hinausgehen will, erklärt John Aisien, Senior Vice President und General Manager, Central Product Management and Security and Risk, im Exklusiv-Interview mit it&d business. Sein Zielbild: „Zero Permission“ – Zugriffsrechte sollen nur noch für die Dauer einer konkreten Aktion bestehen.
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