Laut einer aktuellen Studie des Capgemini Research Institute könnten agentenbasierte KI-Systeme (agentic AI) bis 2028 bis zu 450 Milliarden US-Dollar an wirtschaftlichem Mehrwert generieren. Gleichzeitig offenbaren sich deutliche Hürden in Skalierung, Vertrauen und strategischer Umsetzung.
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Hellmuth Leinfellner, Head of Digital Customer Experience bei Capgemini Consulting Österreich
Die jüngste Studie „Rise of agentic AI: How trust is the key to human-AI collaboration“ des Capgemini Research Institute beleuchtet die Chancen und Herausforderungen im Umgang mit agentenbasierten KI-Systemen. Diese „agentic AI“ verspricht einen erheblichen Beitrag zur Wertschöpfung – allerdings nur bei aktiver menschlicher Einbindung, so ein zentrales Fazit. Trotz hoher Erwartungen ist die praktische Umsetzung noch im Anfangsstadium.
Laut der Studie liegt das wirtschaftliche Potenzial agentenbasierter KI bis 2028 bei bis zu 450 Milliarden US-Dollar. Die größten Hebel: Umsatzsteigerungen und Kosteneinsparungen durch die Automatisierung und Optimierung von Geschäftsprozessen. Unternehmen mit skalierten Implementierungen erwarten im Schnitt 382 Millionen US-Dollar an wirtschaftlichem Mehrwert in den nächsten drei Jahren – im Vergleich zu 76 Millionen bei nicht skalierten Projekten.
Trotz dieser Zahlen haben erst zwei Prozent der Unternehmen eine voll skalierte Implementierung erreicht. Während rund ein Viertel erste Pilotprojekte gestartet hat und 14 Prozent mit der Implementierung begonnen haben, befindet sich die Mehrheit noch in der Planungsphase.
Ein zentrales Hindernis für die breite Einführung: mangelndes Vertrauen. Der Anteil der Führungskräfte, die vollständig autonomen KI-Agenten vertrauen, sank innerhalb eines Jahres von 43 auf 27 Prozent. Datenschutz- und Ethikbedenken dominieren. Nur 40 Prozent trauen KI-Agenten zu, Prozesse eigenständig zu steuern. Fast zwei von fünf Entscheider:innen sehen die Risiken aktuell höher als den Nutzen.
Die Studie stellt allerdings auch fest, dass Vertrauen mit dem Fortschritt der Implementierung zunimmt. Unternehmen setzen deshalb auf Transparenz, erklärbare Entscheidungsprozesse und ethische Leitlinien, um die Akzeptanz zu erhöhen.
Capgemini sieht die größten Erfolgschancen dort, wo Menschen aktiv eingebunden bleiben. „Das wirtschaftliche Potenzial von KI-Agenten ist erheblich. Um es zu realisieren, braucht es aber nicht nur die Technologie an sich, sondern eine umfassende, strategische Transformation von Menschen, Prozessen und Systemen“, erklärt Hellmuth Leinfellner, Head of Digital Customer Experience bei Capgemini Consulting Österreich.
Leinfellner weiter: „Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einem klaren Fokus auf Ergebnissen und der Neugestaltung von Prozessen mit einem AI-first-Mindset. Vertrauen in KI entsteht durch verantwortungsbewusste Entwicklung – mit Ethik und Sicherheit als Grundpfeilern. Gleichzeitig müssen Unternehmen so organisiert werden, dass eine effektive Mensch-KI-Zusammenarbeit möglich ist – mit dem Ziel, menschliche Urteilsfähigkeit zu stärken und bessere Geschäftsergebnisse zu erzielen.“
Mehr als 60 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit der Etablierung von Mensch-KI-Teams. KI-Agenten sollen nicht nur Werkzeuge sein, sondern als aktive Teammitglieder menschliche Fähigkeiten ergänzen.
Mit dem zunehmenden Einsatz agentenbasierter Systeme gehen viele Unternehmen von organisatorischen Veränderungen aus. 70 Prozent erwarten Umstrukturierungen, etwa in Rollen, Teamstrukturen oder Workflows. Der größte Nutzen entsteht laut Studie dann, wenn Menschen von repetitiven Aufgaben entlastet werden und sich stärker auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren können.
Die Erwartungen sind hoch: Unternehmen rechnen mit einer 65-prozentigen Steigerung der menschlichen Beteiligung an solchen Aufgaben, mit einer Zunahme der Kreativität um 53 Prozent und einer Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit um 49 Prozent.
Trotz der erkannten Potenziale sehen sich viele Unternehmen nicht ausreichend vorbereitet. 80 Prozent verfügen laut Studie nicht über eine ausgereifte KI-Infrastruktur, und weniger als 20 Prozent erreichen eine hohe Datenreife. Datenschutz ist für 51 Prozent das wichtigste Thema, aber nur 34 Prozent ergreifen aktiv Maßnahmen zur Risikominimierung.
Ein weiteres Problem: Nur die Hälfte der Führungskräfte versteht die Möglichkeiten von KI-Agenten umfassend – noch weniger erkennen, wo agentenbasierte Systeme traditionelle Automatisierung übertreffen.
Die Studie verweist auf die Notwendigkeit, Prozesse und Geschäftsmodelle neu zu denken, Organisationsstrukturen anzupassen und ein Gleichgewicht zwischen Autonomie und menschlicher Kontrolle zu finden.
Die vollständige Studie finden Sie auf der Homepage von Capgemini.