Laut dem von Netskope Threat Labs veröffentlichten „Cloud and Threat Report 2026“ hat sich die Zahl der Verstöße gegen Datensicherheitsrichtlinien im Zusammenhang mit KI-Anwendungen gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Gleichzeitig nimmt die Nutzung von Generativer KI in Unternehmen deutlich zu – und verlagert sensible Daten zunehmend in ungeschützte Kanäle.
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Ray Canzanese, Director der Netskope Threat Labs, Netskope
Die Nutzung von Generativer KI (GenAI) in Unternehmen wächst rasant, doch die Sicherheitsmaßnahmen halten laut Netskope nicht Schritt. Der „Cloud and Threat Report 2026“, basierend auf anonymisierten Daten der Netskope Security Cloud Plattform, beschreibt eine „besorgniserregende Entwicklung“: Verstöße gegen Datensicherheitsrichtlinien in Verbindung mit KI-Anwendungen haben im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Netskope verweist dabei insbesondere auf das Risiko durch Schatten-KI, also den Einsatz nicht abgesicherter Tools und privater Accounts für geschäftliche Zwecke.
Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Nutzer von SaaS-GenAI-Anwendungen laut Bericht verdreifacht. Gleichzeitig nahm die Nutzungsintensität stark zu: Die Anzahl der gesendeten Prompts stieg um das Sechsfache. Trotz Bestrebungen vieler IT-Abteilungen, die KI-Nutzung über offizielle Unternehmenswerkzeuge zu lenken, greifen weiterhin 47 % der Anwender auf private KI-Accounts im beruflichen Kontext zurück.
Diese Schatten-KI führt laut Netskope in Unternehmen zu durchschnittlich 223 Vorfällen pro Monat, bei denen sensible Daten an KI-Apps gesendet werden. Im oberen Viertel (25 %) der untersuchten Unternehmen liegt dieser Wert bei über 2.100 Vorfällen pro Monat.
Als besonders kritisch bewertet der Report, welche Informationen in KI-Tools hochgeladen werden. Am häufigsten betroffen ist Quellcode mit 42 %, gefolgt von regulierten Daten mit 32 % sowie geistigem Eigentum mit 16 %.
Darüber hinaus betont Netskope das Insider-Risiko durch „persönliche Apps“: 60 % aller Insider-Bedrohungen stehen demnach im Zusammenhang mit privaten Cloud-Instanzen wie Google Drive oder OneDrive. Die Nutzung von GenAI-Tools verstärke dieses Risiko „massiv“. Zudem betreffen 54 % der Verstöße gegen Datenrichtlinien regulierte Daten wie Finanz-, Gesundheits- oder Personaldaten.
Für das Jahr 2026 warnt Netskope vor einer wachsenden Komplexität durch Agentic AI – KI-Systeme, die autonom komplexe Aufgaben über verschiedene Unternehmensressourcen hinweg ausführen. „Agentic AI schafft eine völlig neue Angriffsfläche“, wird Ray Canzanese, Director der Netskope Threat Labs, zitiert. Wenn autonome Agenten Zugriff auf interne Daten erhalten, könnten Fehlkonfigurationen oder bösartige Prompts „zu massiven Datenabflüssen in Millisekunden führen“.
Als weitere kritische Risiken für 2026 nennt der Report KI-gesteuerte Browser sowie das Model Context Protocol (MCP).
Netskope empfiehlt Unternehmen einen vierstufigen Schutzansatz: vollständige Inspektion des HTTP/HTTPS-Verkehrs inklusive KI-Traffic, App-Governance mit dem Blockieren risikoreicher Tools ohne Geschäftszweck, verstärkten DLP-Einsatz zum Schutz von Quellcode und Passwörtern sowie Isolation über Remote Browser Isolation (RBI) für riskante oder neue Domains.