Nach den USA und Indien führt Google seinen „AI Mode“ nun auch in Deutschland ein. Der KI-gestützte Suchmodus verändert, wie Nutzer Informationen abrufen – und stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Experte Mare Hojc von AN Digital erklärt, warum klassische Suchstrategien dennoch relevant bleiben und wie Firmen sich auf die neue Suchwelt vorbereiten können.
Foto: Julius Osner
Mare Hojc, Gründer und CEO von AN Digital
Google hat seinen neuen „AI Mode“ offiziell auch in Deutschland ausgerollt. Der Modus erlaubt es, ähnlich wie bei ChatGPT, direkt mit Google zu chatten und KI-generierte Antworten zu erhalten – anstelle der gewohnten Suchergebnisse. Während einige Beobachter bereits den Niedergang der klassischen Google-Suche prophezeien, warnt Mare Hojc, Gründer und CEO von AN Digital, vor voreiligen Schlüssen. Er bezeichnet den neuen Modus als „revolutionär“, betont aber zugleich: „Er wird sich nur langsam durchsetzen und die klassische Google-Suche wird nicht verschwinden. Es gibt durchaus Möglichkeiten, das eigene Unternehmen KI-ready zu machen.“
Der „AI Mode“ wurde im Mai 2025 zunächst in den USA und Indien eingeführt. Google-CEO Sundar Pichai sprach im Juli im Rahmen der Quartalszahlen von rund 100 Millionen aktiven Nutzern – das entspricht etwa zehn Prozent der geschätzten rund eine Milliarde Internetnutzer in diesen beiden Ländern.
Mare Hojc ordnet diese Zahlen ein: „Google AI Mode hatte sicher einen guten Start, aber ich bin überzeugt, dass auf mittelfristiger Sicht ChatGPT das Rennen macht. Im September haben rund 800 Millionen Nutzer ChatGPT genutzt.“
Gleichzeitig sieht Hojc keine unmittelbare Gefahr für die klassische Suche: „Die meisten Menschen suchen weiterhin gerne mit der normalen Google-Suche. Der AI Mode braucht länger als eine reguläre Suche, bis er die Antwort generiert – und viele möchten nicht zu viel Text lesen oder diesen Modus überhaupt nutzen.“
Auch wenn der AI Mode noch kein Massenphänomen ist, verändert er die Spielregeln für Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung. Im Hintergrund bündelt Google pro KI-Anfrage bis zu 15 Web-Suchen („Fanout“), fasst die Ergebnisse zusammen und erstellt daraus eine Antwortseite mit Quellenangaben.
Für Unternehmen bedeutet das: Sichtbarkeit in der KI-Antwort hängt weiterhin von der klassischen Google-Sichtbarkeit ab. „Wer im KI-Modus von Google gut sichtbar sein will, muss in Google gut sichtbar sein. Klassisches SEO ist weiterhin die Grundlage“, betont Hojc.
Gleichzeitig verschieben sich die Erfolgsmetriken. „Klicks auf Websites sind langsam keine allzu gute KPI mehr. Es geht heute mehr um Conversions und tatsächliche Käufe“, so Hojc weiter. Unternehmen sollten daher ihre Suchstrategien stärker auf qualitativ hochwertigen Content, Markenvertrauen und Nutzererfahrung ausrichten – weniger auf reine Traffic-Zahlen.
Für Hojc steht fest: Der AI Mode verändert die Suche, verdrängt sie aber nicht. „Nutzer schätzen die Schnelligkeit, Übersicht und Kontrolle der klassischen Google-Suche“, sagt er. In der Praxis werde sich daher „bis auf weiteres ein Nebeneinander von KI-Antworten und traditionellen Suchergebnissen etablieren – ähnlich wie es bei ‚Featured Snippets‘ oder ‚Nutzer fragen auch‘-Boxen der Fall war, nur auf einem neuen technologischen Level.“
Googles AI Mode markiert damit den Beginn einer neuen Phase in der Online-Suche – einer Phase, in der KI die Informationsbeschaffung erweitert, aber nicht ersetzt. Für Unternehmen gilt: Wer früh versteht, wie sich Suchlogiken verändern, bleibt sichtbar – ob im klassischen Index oder in der neuen KI-Antwort.