Ein aktueller Sicherheitsreport von Trend Micro zeigt eine stark wachsende Zahl an Schwachstellen in KI-Systemen. Besonders dynamische Bereiche wie agentische KI und MCP-Server geraten zunehmend in den Fokus von Angreifern.
Foto: Trend Micro
Richard Werner, Security Advisor bei TrendAI
Die Verbreitung von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen nimmt weiter zu – gleichzeitig wächst die Angriffsfläche für Cyberbedrohungen. Der „TrendAI State of AI Security Report“ des Trend-Micro-Geschäftsbereichs TrendAI analysiert die Entwicklung von Sicherheitslücken im globalen KI-Ökosystem und kommt zu dem Ergebnis, dass sowohl Anzahl als auch Kritikalität entsprechender Schwachstellen deutlich steigen. Die Analyse basiert auf einer umfassenden Auswertung von CVE-Daten sowie mehrstufigen Klassifizierungs- und Bewertungsverfahren.
Zwischen 2018 und Ende 2025 wurden insgesamt 6.086 Schwachstellen identifiziert, die direkt KI-Systeme betreffen. Allein im Jahr 2025 kamen 2.130 neue Einträge hinzu – ein Anstieg um 34,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wächst dieser Bereich deutlich schneller als das gesamte CVE-Ökosystem, das im selben Zeitraum um 17,9 Prozent zulegte. Der Anteil KI-bezogener Schwachstellen erreichte 2025 mit 4,42 Prozent einen neuen Höchstwert.
Neben der steigenden Anzahl hebt der Report auch die zunehmende Kritikalität hervor. Von 3.257 bewerteten KI-Schwachstellen entfallen 48,9 Prozent auf die Kategorien „hoch“ oder „kritisch“ (CVSS ≥ 7,0). Besonders betroffen sind junge und schnell wachsende Bereiche des KI-Ökosystems.
In der KI-Lieferkette weisen 46,5 Prozent der Schwachstellen hohe oder kritische Schweregrade auf. Im Umfeld von Large Language Models liegt dieser Anteil bei 45,1 Prozent, bei agentischer KI bei 40,5 Prozent und bei MCP-Servern bei 38,2 Prozent. Diese Segmente zeichnen sich laut Bericht durch eine hohe Innovationsgeschwindigkeit aus, bei gleichzeitig noch nicht vollständig etablierten Sicherheitspraktiken.
Demgegenüber zeigen reifere Technologiebereiche geringere Anteile schwerwiegender Schwachstellen. Dazu zählen Frameworks für maschinelles Lernen (32,9 Prozent), KI-Datenpipelines (27 Prozent) sowie GPUs und KI-Hardware (18 Prozent). Dies deutet auf einen Zusammenhang zwischen technologischer Reife und Sicherheitsniveau hin.
Besondere Aufmerksamkeit richtet der Report auf zwei vergleichsweise neue Komponenten: MCP-Server und agentische KI. MCP-Server, die als Schnittstellen für den Zugriff von KI-Agenten auf externe Tools und Dienste dienen, verzeichneten 2025 erstmals eine signifikante Zahl an Schwachstellen. Insgesamt wurden 95 entsprechende CVEs registriert, nachdem dieser Bereich in den Jahren zuvor kaum eine Rolle spielte.
Mehr als 60 Prozent dieser Schwachstellen betreffen Injection-Angriffe, bei denen schädliche Befehle in Systeme eingeschleust werden können. Dadurch entstehen neue Angriffsvektoren in Umgebungen, in denen KI-Systeme zunehmend autonom agieren.
Auch agentische KI zeigt eine dynamische Entwicklung: Die Zahl der dokumentierten Schwachstellen stieg von 74 im Jahr 2024 auf 263 im Jahr 2025. Dies entspricht einem Zuwachs von 255 Prozent und stellt den stärksten prozentualen Anstieg aller untersuchten Kategorien dar.
Für das Jahr 2026 prognostiziert TrendAI Research einen weiteren deutlichen Anstieg. Erwartet werden zwischen 2.800 und 3.600 neue KI-bezogene Schwachstellen, was einer Zunahme von bis zu 69 Prozent gegenüber 2025 entsprechen würde. Besonders stark könnten erneut MCP-Server (plus 89 bis 195 Prozent) sowie agentische KI (plus 33 bis 109 Prozent) betroffen sein.
Richard Werner, Security Advisor bei TrendAI, ordnet die Entwicklung als strukturellen Wandel ein:
„KI ist keine neue Angriffsfläche mehr, sondern hat sich mittlerweile etabliert. Unsere Untersuchung zeigt, dass die Schwachstellen in KI-Systemen schneller zunehmen als im gesamten Software-Ökosystem und dass die größten Risiken in gemeinsam genutzten Komponenten wie Modell-Frameworks und Lieferketten liegen. Wenn Unternehmen KI produktiv einsetzen, müssen sie Cybersicherheit als Grundlage jedes Projekts berücksichtigen. KI erfordert dieselbe Transparenz und dasselbe Risikomanagement wie jedes andere kritische Geschäftssystem.“
Der Report verdeutlicht insgesamt eine wachsende Diskrepanz zwischen der schnellen Einführung von KI-Technologien und dem Stand ihrer Absicherung. Für Unternehmen bedeutet dies, dass neben Innovation auch die systematische Bewertung und Absicherung neuer Technologien an Bedeutung gewinnt.